Freitag, 9. Februar 2018

Ehrenamtstreffen



Viele Informationen beim Ehrenamtstreffen
von Integrationsmanagern bis zum Leitbild

Obwohl es krankheitsbedingte Abmeldungen gab, mussten noch Stühle und Tische herbeigeschafft werden, so gut wurde die Einladung der neuen Ehrenamtskoordinatorin Svetlana Bojcetic zum Treffen rund ums Ehrenamt im Scherer Familienzentrum angenommen.




Themenschwerpunkt war zum einen die neue Struktur rund um die Integration von Flüchtlingen in Baden-Baden. Hier gab es, wie berichtet, Veränderungen (der Arbeitsintegrator Stephan Langreder hört Ende des Monats auf, seine Aufgaben übernehmen die Sozialarbeiter vor Ort). Auch werden vier neue Integrationsmanagerinnen eingestellt, die sich hauptsächlich und hauptamtlich um knifflige Einzelfragen rund um die Eingliederung von anerkannten Flüchtlingen in den Anschlussunterbringungen kümmern werden. Hierzu wird es demnächst ein Organigramm geben, das auch hier auf diesen Blog gestellt wird. 
 
Auch die Sprachkurse waren wieder einmal ein großes Thema. Vor allem plagt die ehrenamtlichen Sprachlehrer schon länger die Frage, wie sie die Geflüchteten motivieren können, in die angebotenen freiwilligen Kurse zu kommen und auch zu bleiben!
Es kristallisiert sich allmählich heraus, dass der Trend wohl eher in Richtung Einzelunterricht/Individualbetreuung gehen wird.
Es wird hierzu eine Arbeitsgruppe gebildet, in der Haupt- und Ehrenamtliche demnächst (um Ostern herum) mehrere eher unmotivierte Flüchtlinge am Waldseeplatz interviewen und nach deren eigenen Einschätzungen, Erfahrungen und Bedürfnissen befragen wollen. Dieses Vorhaben fand breite Zustimmung bei den Ehrenamtlichen.
 
Ein weiteres Thema war die freiwillige Selbstverpflichtung, die das ehrenamtliche Netzwerk Asyl letztes Jahr zusammengestellt hat. 

In diesem Leitbild werden die Grundsätze unseres ehrenamtlichen Handelns zusammengefasst:

- Wir fördern die Selbständigkeit
- Wir respektieren die Intimsphäre
- Wir schützen die Vertraulichkeit
- Wir achten auf Gleichberechtigung
- Wir reflektieren unsere eigene Arbeit und – ganz wichtig! achten auf unsere eigenen Grenzen

Ferner geht es um Sprache, Arbeit und Asylverfahren, Wohnen, Gesundheit und gesellschaftliche Orientierung. Bitte lesen!

Dieses Leitbild hierauf dem Blog nachzulesen => KLICK

Auf der Webseite der Stadt Baden-Baden unter der Rubrik "Asyl und Ehrenamt" kann man auf der rechten Seite in der Rubrik „download“ die pdf zu unserem „Leitbild Ehrenamt“ herunterladen und ausdrucken => KLICK





Dienstag, 6. Februar 2018

Kulturelle Falle


Vorsicht kulturelle Falle!


Die Caritas lädt alle ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer zur nächsten Fortbildung im Bereich der Asylthematik ein.

Der Titel der Veranstaltung lautet: „Vorsicht kulturelle Falle – Flüchtlinge achtsam begleiten“.  

Datum:
Samstag, den 17. März 2018, von 8.30 bis ca. 17 Uhr.




Als Referent konnte erneut Herr Dr. Jörg Sieger, Projektreferent im Projekt „Nah an Menschen von weit weg“ der Erzdiözese Freiburg und interkultureller Trainer gewonnen werden. Er ist allen Ehrenamtlichen bestens bekannt als mitreißender Redner beim Ehrenamtsfest im Juni im Theater. 



Da die Teilnehmerzahl auf max. 20 Personen festgelegt ist, melden Sie sich bitte baldmöglichst im Vorfeld an den Termin an. Der Eingangszeitpunkt entscheidet über eine mögliche Teilnahme.

Anmeldung bis 9. März 2018 an  
Tel: 07221-1835-25




Sonntag, 4. Februar 2018

Langreder


Arbeitsintegrator zieht nach zwei Jahren Resümee:
Mit Unterstützung ist es für die Flüchtlinge leichter


Seine Bilanz kann sich sehen lassen. An die 220 Arbeitsverträge plus 30 Ausbildungsplätze hat Stephan Langreder binnen zwei Jahren als Arbeitsprofiler für Flüchtlinge vermittelt. Nach zwei aufregenden und spannenden Jahren endet nun zum 21. Februar seine von vornherein befristete Beschäftigung.


 

Der Baden-Badener Geschäftsmann Karlheinz Kögel hatte die Schaffung dieser Stelle 2016 bei der Stadtverwaltung angestoßen und auch für zwei Jahre finanziert. 




Hauptsächlich kümmerte sich Langreder um geflüchtete Menschen mit geringer Bleibeperspektive, also solche, die (noch) keine Anerkennung als Flüchtling erhalten haben und die mit einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung in den städtischen Unterkünften leben.

Ein schwieriges Klientel, aber der 57jährige kann mit seinem Wirken zufrieden sein: „Es hat Spaß gemacht, vielen Menschen zu helfen und freundliche und engagierte ehrenamtliche Helfer kennenzulernen. Das war eine tolle Erfahrung“, resümiert er. Gleichwohl sieht er seine Bemühungen nicht unkritisch: „Erfolgreich waren vor allem die Flüchtlinge, um die sich Freiwillige intensiv gekümmert haben“, hat er festgestellt. Wer keinen großen Rückhalt hat und alleine ohne moralische Festigung in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt, den packen oft Selbstzweifel oder Schwermut. Diese Menschen schmeißen ihren Job öfter hin, und besonders bitter sei das, wenn die Selbstzweifel dermaßen überwiegen, dass auch eine Ausbildungsstelle abgebrochen wird, weil man bei einem Job – womöglich noch in einer Zeitarbeitsfirma – kurzfristig mehr Geld verdienen kann. „Das lässt mich schon nachdenklich werden“, seufzt Langreder, der unter anderem auch manchmal mit unverständlichen Anweisungen bzw. Verboten des Regierungspräsidiums bezüglich Ausbildungsduldung für Flüchtlinge gerade auch aus Gambia hadert. Gut hingegen sei die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde vor Ort, hier seien sehr engagierte Mitarbeiter am Werk, betont er.

Wie geht es nun weiter?
Die Sozialarbeiter sollen - seines Wissens nach - seine Aufgabe künftig übernehmen und können mittels Leseberechtigung auch Einblick in seine mühevoll aufgebaute Kundendatei nehmen. Das Netzwerk Arbeit, das er ins Leben gerufen und betreut hat, wird unter der Leitung von Rebecca Rastetter fortgeführt und derzeit neu formiert. 
 
Und er? Ist nun in eigener Sache auf Jobsuche. Aber er bleibt den Flüchtlingen in Baden-Baden natürlich auch weiterhin erhalten, dann allerdings nicht als mehr Anlaufstelle, wenn es mit dem Job mal nicht so klappt, sondern ganz handfest, wenn es an Bremsen oder Beleuchtung hapert: Denn Stephan Langreder arbeitet auch weiterhin mit Herzblut ehrenamtlich als Bike-Doc, und zwar jeden Montagabend in der Unterkunft in der Westlichen Industriestraße. 

Und wer weiß... am Donnerstag ließ Bürgermeister Roland Kaiser am Rande einer Pressekonferenz durchblicken, dass alles noch ein bisschen in der Schwebe ist und die Stadtverwaltung sich bemüht, die Stelle doch noch mit einer erneuten Finanzspritze weiterzuführen... 

Hier geht es zum Portrait über Stephan Langreder aus dem Jahr 2016 auf diesem Blog => KLICK

Samstag, 3. Februar 2018

Njie

Mit Beharrlichkeit und Geschick zum Ziel
Hilfe aus dem Ehrenamt ist unererlässlich

Eine handwerkliche Ausbildung eröffnet gute Perspektiven für geflüchtete Menschen. Das zeigt der Berufsweg des jungen Gambiers Sulayman Njie, über den die Pressestelle der Stadtverwaltung Baden-Baden heute berichtet. Mit Hilfe ehrenamtlicher Unterstützung schaffte Njie, der 2015 in Deutschland ankam, den Abschluss an der Louis-Lepoix-Schule.

Mit Beharrlichkeit zum Erfolg: Michael Neumann, Achim Schlüter und Sulayman Njie (von links). Foto: Stadtpressestelle


Beim Probearbeiten in Betrieben zeigte er seinen Willen und seine Bereitschaft handwerklich knifflige Aufgaben zu lösen. Im September des vergangenen Jahres startete Njie dann seine Ausbildung zum Polsterer im Unternehmen Inneneinrichtung Schlüter. Dabei stellt der junge Gambier täglich seine Beharrlichkeit und Geschicklichkeit unter Beweis. Geschäftsführer Achim Schlüter lobt die Zusammenarbeit: „Sulayman hat eine sehr gute Auffassungsgabe und setzt Gelerntes schnell um. An dieser Entwicklung können sich auch andere Schulabgänger ein Beispiel nehmen.“

Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Berufsschule. Um die dreijährige Ausbildung bei der Handwerkskammer erfolgreich abzuschließen, ist Nachhilfe sehr wichtig. Hierfür sind Ehrenamtliche im Hintergrund erforderlich, die den Schulstoff gemeinsam mit den jungen Menschen nacharbeiten.



Freitag, 2. Februar 2018

Jobcenter 2017


Sorge um die Langzeitarbeitlosen und
Freude über motivierte Flüchtlinge

Allen Grund zur Freude hatten der Leiter des Jobcenters Baden-Baden, Gerald Maisberger und Bürgermeister Roland Kaiser gestern, als sie der Presse die Jahresbilanz des Jobcenters für 2017 präsentierten.




Konjunktur robust, Wirtschaft brummt, gerade auch in den Bereichen Lager und Logistik, Personaldienstleistung, Gastgewerbe, Handel und im verarbeitenden Gewerbe – was will man mehr als Verantwortlicher für die Arbeitslosenzahlen. Die Quote liegt bei 3,1 Prozent (das waren 870 Personen), die Langzeitarbeitslosigkeit ist im letzten Jahr um knapp 14 Prozent zurückgegangen. 562 Personen wurden in Arbeit vermittelt, die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen hat sich im Stadtgebiet Baden-Baden binnen eines Jahres um 17,5 Prozent verringert. 
 
Dennoch kein Grund zum Ausruhen, denn insgesamt hängen heute – zusammen mit ihren Familienangehörigen, immer noch 2 852 Menschen am Tropf des Jobcenters.

Grund zur Freude gibt es aber beim Thema Flüchtlinge. 81 von ihnen haben im letzten Jahr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Insgesamt betreut das Jobcenter zurzeit 400 Flüchtlinge (inklusive Kinder). 260 wurden als „erwerbsfähig“ eingestuft, 180 sind derzeit in Sprach- und Integrationskursen. Vor allem die Syrer zeigten sich hoch motiviert, Sprache und Bildung zu verbessern, um gute Chancen am Arbeitsmarkt zu bekommen. Die Integrationsquote in Arbeit liegt bei 29 Prozent, und damit zählt Baden-Baden zu den TOP 40 im Bundesgebiet.

Maisberger und Kaiser machten keinen Hehl daraus, dass dies nicht allein dem Jobcenter geschuldet ist, sondern neben all der Arbeit des Hauptamts auch auf die emsigen ehrenamtlichen Helfer zurückzuführen ist. Gerade sie seien wichtige Brückenbauer zu den Betrieben. 


 

Das Jobcenter ist in Sachen Flucht und Asyl ebenfalls gut aufgestellt. Nachdem bisher Thomas Klehr als Arbeitsvermittler  speziell für diese Personengruppe zuständig war (krankheitsbedingt fiel der zweite Kollege langfristig aus), und diese dann auf rund 400 anschwoll, wurde das Jobcenter vor kurzem umstrukturiert, um ihn zu entlasten. Ab sofort ist jeder Mitarbeiter – rein nach Buchstaben – auch für die Flüchtlinge zuständig.

Zusätzlich wurde eine neue Stelle geschaffen: Britta Händel wurde zwischenzeitlich zur „interkulturellen Botschafterin“ ausgebildet. Sie soll die Mitarbeiter unterstützen, ihnen bei der Qualifikation helfen, aber auch das Ehrenamt schulen, soweit dies gebraucht wird. „Netzwerken zwischen Arbeitgebern und Ehrenamt“ umschrieb Maisberger ihre Aufgabe.

Bürgermeister Kaiser lobte mit Blick auf die gute Integrationsquote der Flüchtlinge im Stadtgebiet auch die außergewöhnliche Spendenbereitschaft, die es so wohl nur hier in Baden-Baden gibt und die vor allem eine intensive Sprachförderung schon während des Asylverfahrens möglich gemacht habe. Das gebe es in anderen Städten nicht.

So kehrt offenbar auf diesem Gebiet Ruhe ein. Die Integration der Menschen mit dem Hintergrund Flucht und Asyl steht zwar noch unter den Herausforderungen für 2018, allerdings an letzter Stelle. Vorrangiger brennt den Verantwortlichen die Reduzierung der Zahlen bei den Langzeitarbeitslosen auf den Nägeln. Dies sei ein mühsamer Weg, der nur über Beratung, Beratung und noch mal Beratung führe. Ein spezieller Finanzierungstopf wurde für die Förderung schwer erreichbarerer junger Menschen aufgetan, um diese kümmert sich ab sofort auch die Caritas mit einem speziellen Programm.

Gleichwohl müssten auch ältere Langzeitarbeitslose (jeder der mehr als ein Jahr arbeitslos ist, zählt zur Personengruppe der Langzeitarbeitslosen) aus prekären Lebensverhältnissen zurück ins Sozialleben geholt werden. Deren bisherige Lebensstrukturen müssten aufgebrochen werden, sie sollen wieder lernen, regelmäßig zu arbeiten und damit ihren Kindern ein Vorbild sein. Dies war vor allem Bürgermeister Kaiser wichtig.

Bei den jungen Langzeitarbeitslosen setzt man verstärkt auf die Kooperation mit den beruflichen Schulen und deren Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen. Hier werde – gerade im Bereich Hotels und Gaststätten, und hier besonders bei den Köchen - schon jetzt in Baden-Baden Außergewöhnliches geleistet. Aber der Übergang zwischen Schule und Arbeit müsse auch durch staatliche Anreize noch verbessert werden.

Wichtig sei dem Jobcenter, die Arbeitssuchenden nach Kräften zu unterstützen, sei es mit Briefmarken für die Bewerbungsschreiben bis hin zu Bewerberseminaren, der Finanzierung von Praktikumsplätzen und auch zweijähriger Qualifizierungsmaßnahmen zur Umschulung. 735 Kunden wurden so allein im vergangenen Jahr auf diese Weise erfolgreich unterstützt.

Trotz all der guten Nachrichten – die Langzeitarbeitslosigkeit ist und bleibt zentrales Thema in Baden-Baden. Mit 49,8 Prozent liegt der Anteil im Stadtgebiet weit über dem Landesdurchschnitt (45,3 Prozent). Und eine Sorge treibt die Verantwortlichen hier besonders um: Schaffen diese Menschen den Absprung nicht, gleiten sie irgendwann nahtlos in die Altersarmut, wenn ihnen dann die Rente nicht zum Leben reiche und sie Sozialhilfe beantragen müssten. 




 

Freitag, 29. Dezember 2017

Aktivbrücke


In eigener Sache:

Integrationsarbeit steht erst am Anfang
Spendengelder werden weiter gebraucht



Kürzlich hat der Verein Aktivbrücke seine Auflösung bekanntgegeben. Hier der Bericht im Badischen Tagblatt dazu vom 12. Dezember 2017:




Auf Nachfrage, was mit den Spendengeldern (über 20 000 Euro sind noch übrig, plus ein Fahrzeug - dem Vernehmen nach ein Bus) passiert, erhielt BT-Redakteur Harald Holzmann folgende Auskunft (Badisches Tagblatt vom 27. Dezember 2017):




Hierzu stellt das Netzwerk Asyl folgendes klar:

 Presseerklärung des Netzwerk Asyl zur Flüchtlingsarbeit

Im Jahr 2017 haben sich über 300 Menschen unter dem Dach des Netzwerk Asyl mit geschätzten 50.000 Stunden ehrenamtlich geleisteter Arbeit in der Flüchtlingshilfe engagiert. Für dieses Engagement ist das Netzwerk Asyl vor kurzem mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Dieser Einsatz ist auch weiterhin notwendig zum Wohle der Geflüchteten aber auch zum Wohle unserer Stadt!
Deshalb muss der vor kurzem erschienene Artikel über die Auflösung des Vereins Aktiv Brücke als unzutreffend und irreführend beurteilt werden. Es wird der Anschein erweckt, dass ehrenamtliches Engagement in Baden-Baden überflüssig geworden wäre. Überrascht ist das Netzwerk Asyl über diese Bewertung insbesondere, als die Aktiv Brücke bis zum dritten Quartal 2017 am Runden Tisch Asyl der Stadt Baden-Baden teilgenommen hat und um die aktuelle Situation und den Bedarf an Unterstützung genauestens informiert war.
Das Netzwerk Asyl sieht weiter einen großen Bedarf an Unterstützung, um Integration erst möglich zu machen. Viele Geflüchteten leben bereits einige Zeit hier. Damit individualisiert sich der Unterstützungsbedarf: Gerade Personen, die auf dem Weg zu Ausbildung, Arbeit, Studium etc. sind benötigen intensive Unterstützung um die diversen bürokratischen Hürden meistern zu können. Wohnungssuche ist ohne Unterstützung Deutscher kaum möglich. Die Betreuung laufender Asylverfahren oder Ablehnungsverfahren beschäftigt den AK Asyl bspw. mehr denn je. Gezielte Sprachförderung durch Ehrenamtliche findet nach wie vor statt, oft in Kleinstgruppen oder ganz individuell bezogen auf die jeweilige Lebenssituation, zusätzlich zu VHS-Kursen. Begleitung zum Arzt oder ins Krankenhaus ist ebenfalls eine wichtige Unterstützungsleistung durch Ehrenamtliche. Die Liste lässt sich nahezu beliebig weiter fortsetzen.
Insbesondere die Gruppe der Personen, die aus welchem Grund auch immer, keinen Zugang zu Gesellschaft und Arbeitsmarkt haben, hat massive Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb. So auch diejenigen, die aufgrund vorliegender Abschiebebescheide, die nicht durchgeführt werden können, in Resignation versinken. Hier liegt ein hochbrisanter und dringend notwendiger Bedarf an Integrationsunterstützung vor. All diese Menschen brauchen verlässliche und kompetente Ansprechpartner*innen vor Ort, die ihnen in diesen schwierigen Situationen Orientierung und Hilfe anbieten.
Dafür sind die ehrenamtlichen Unterstützerkreise in den Flüchtlingsunterkünften äußerst hilfreich – auch in der Vermittlung deutscher Kulturgüter. Die Ehrenamtlichen des Patenschaftsprojektes der Caritas suchen weitere Hilfe, um die individuelle Betreuung z.B. bei der Familienzusammenführung zu ermöglichen oder den Weg der Kinder in Kindergarten und Schule zu bereiten. Gerade diese persönlichen Beziehungen sind für eine erfolgreiche Integration in und Identifikation mit Deutschland von entscheidender Bedeutung. Dafür braucht es eine vertrauensvolle Beziehung, die sich durch persönliche Begegnungen erst langsam entwickelt.
 
In dieser Situation den Anschein zu erwecken, es sei alles in „trockenen Tüchern“ ist eine fahrlässige Verzerrung der Wirklichkeit.
Der Verein Aktiv Brücke hat mit seiner Auflösung ein Vereinsvermögen von ca. 22.000 Euro sowie ein Vereinsfahrzeug der Kampfkunst Akademie übereignet, „weil es nichts mehr zu tun gibt“ (Zitat Aktiv Brücke). Dem ist in keiner Weise so!
Die Ehrenamtlichen des Netzwerk Asyl sehen in der täglichen Betreuung immer wieder den dringlichen Bedarf auch an finanzieller Unterstützung. So suchen die Bike Docs bspw. händeringend nach Material oder Spenden. Die W-Lan-Ausstattung der Unterkünfte ist mangelhaft und nur über das W-Lan besteht der wichtige Kontakt zur Familie im Herkunftsland. Ein VHS-Kurs für Mütter mit Kindern wäre wichtig. Familienbetreuung und –förderung bräuchten Mittel, ein Musikprojekt sucht nach finanzieller Unterstützung, auch hier ließe sich eine Bedarfsliste beliebig erweitern. Insofern bedauert das Netzwerk Asyl, dass die Mittel nicht z.B. der Caritas oder der Diakonie mit der Zweckbindung der Flüchtlingsarbeit übergeben werden, sondern einem Kampfkunst Verein, dessen Vorsitzender auch der Vorsitzende der Aktiv Brücke ist. Dem Netzwerk Asyl sind einige Spender bekannt, die über die Höhe der Restmittel und deren Weiterleitung an die Kampfkunst Akademie zumindest irritiert sind. Für die Flüchtlingshilfe wäre es fatal, wenn Sponsoren und Spender den Eindruck bekommen sollten, ihre finanziellen Zuwendungen seinen nicht mehr gefragt!        
Die Stadt hat ihre Flüchtlingssozialarbeit weiter ausgebaut, was aber das ehrenamtliche Engagement in keiner Weise ersetzt, sondern beides bedingt sich gegenseitig. Ziel der Flüchtlingshilfe ist eine zielgerichtete Unterstützung für eine gelingende Integration aller Geflüchteten in Baden-Baden, daran arbeitet das Netzwerk Asyl auch 2018.



Siehe hierzu auch Bericht im Badischen Tagblatt vom 29. Dezember 2017:



Auf Facebook gibt es derzeit eine lebhafte Diskussion über den Vorfall. "Das stinkt sehr", heißt es da beispielsweise. Das möge vielleicht juristisch alles richtig sein, moralisch sei es jedoch bedenklich. Auch ehemalige Vorstandsmitglieder der Aktivbrücke melden sich hier zu Wort und fordern öffentlich Aufklärung. Sie machen sich vor allem Gedanken darüber, dass die Spenden zweckgebunden für die Flüchtlingshilfe gesammelt wurden und nun, nach einer überraschenden Satzungsänderung im Sommer diesen Jahres, an einen Kampfsportverein (mit gleichem Vorsitzenden wie bei Aktivbrücke) gehen sollen.  

Donnerstag, 21. Dezember 2017

WSP Weihnachten


Über Weihnachtspäckchen freuen sich alle,
gleich welcher Herkunft oder Religion

Alle Jahre wieder... Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer des Waldseeplatzes haben letzte Woche wieder für alle (weit mehr als 200) Bewohner der Unterkünfte am Waldseeplatz Päckchen gepackt, um ihnen eine kleine Freude zu bereiten. Dank der finanziellen Unterstützung der Katholischen Frauengemeinschaft von St. Bernhard war dies möglich. Gestern wurden dann die Päckchen an die Bewohner verteilt, und die Überraschung und Freude war groß. 

In Ermangelung von Schnee gab es keinen Schlitten, sondern einen Gaben-Wagen.
 

Wer sich übrigens in der Flüchtlingshilfe betätigen möchte, kann jederzeit samstags zum Waldseeplatz kommen, wo es das offene Café Kontakt gibt. Hier kann man unverbindlich mit den Geflüchteten, aber auch mit anderen Ehrenamtlichen in Kontakt treffen und ausloten, wie und wo Hilfe benötigt wird. 


Päckchen packen macht Spaß, auch wenn es anstrengend ist


Mittlerweile hat die die Arbeit der Ehrenamtlichen erheblich gewandelt und ist anspruchsvoller geworden. Fußballspielen und Basteln sind längst nicht mehr wichtig, Deutsch-Unterricht in Klein- und Kleinstgruppen, Betreuung bei Behördengängen und Suche und Unterstützung beim Thema Arbeit und Ausbildung, aber auch Trost, wenn die Abschiebung droht und politisch gewollte Arbeitsverbote ausgesprochen werden, obwohl die Leute unbedingt arbeiten wollen und können, stehen heutzutage im Vordergrund. Die echte und schwierige Integrationsarbeit hat gerade erst begonnen, hatte erst letzte Woche die neue städtische Ehrenamtskoordinatorin, Svetlana Bojcetic, den Helfern bestätigt. 

Und wie man deutlich sieht: Es macht auch Freude, Freude zu schenken!