Donnerstag, 5. November 2015

Refugee Guide für alle

Druckerei Späth druckt 2000 Exemplare des "Refugee Guide"


"Flüchtlingsknigge" zum Eingewöhnen in Deutschland 

Wie geht das eigentlich mit der urdeutschen Mülltrennung? Oder mit der Begrüßung? Warum sitzen Leute in Bus und Bahn lieber alleine? Was macht man, wenn man in ein Büro gehen möchte, die Tür aber geschlossen ist? Nachtruhe – was bedeutet das? Welchen Stellenwert hat Pünktlichkeit in Deutschland? Und: Wasser aus dem Wasserhahn ist sauber und kann getrunken werden.

Viele solcher Tipps sind für Menschen, die aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland kommen, sehr hilfreich. Manches vermitteln ehrenamtliche Helfer und Sozialarbeiter den Asylbewerbern gleich in den ersten Tagen, manches kann aber auch wieder vergessen werden oder war für die Deutschen keine Erwähnung wert, weil es für sie so selbstverständlich ist. Umso nützlicher ist es, wenn man – womöglich noch in der eigenen Sprache – eine Art Anleitung durchs deutsche Alltagsleben, über Sitten und Gebräuche, an der Hand hat, und immer wieder mal nachschlagen kann.



Auf dem Bild: Alexander Späth(links), Claudia Mohr (Mitte) und die neue Sozialarbeiterin des Viceniushauses, Stephanie Maurer (2. von rechts), zusammen mit einigen der Ehrenamtlichen und Asylbewerber.


Dies ist dank einer glücklichen Fügung den Asylbewerbern in Baden-Baden möglich gemacht worden: 2000 solcher „Refugee guides“, die bislang nur im Internet abrufbar waren, hat die Druckerei Späth nun auf eigene Kosten gedruckt und gestern offiziell übergeben. Es gibt einige wenige Exemplare in Deutsch, damit sich die Helfer ein Bild davon machen können, was ihre Schützlinge nun schwarz auf weiß in der Hand haben, ferner gibt es Exemplare auf Englisch, Französisch und Arabisch. „16 Sprachen stehen theoretisch zum download zur Verfügung“, erklärte Claudia Mohr vom Helferkreis Vincentiushaus bei einem Pressetermin, bei dem sie Firmenchef Alexander Späth für seine Initiative dankte.

Entstanden war die Idee im Rahmen eines Projekts des Round Table Baden-Baden, hieß es, und es war für Round-Table-Mitglied Alexander Späth schnell klar, dass er mit seiner Firma den Druck des Refugee Guides übernehmen wollte. Er habe schon länger nach einem passenden Projekt gesucht, um die Arbeit der Flüchtlingshelfer zu unterstützen, sagte er.

Der Refugee Guide – man könnte ihn auch Knigge für Asylbewerber nennen – wurde an der Universität Hamburg von Doktoranden und Asylbewerbern vieler Nationen und Glaubensrichtungen entwickelt. 

Hier geht es zur Webseite, auf der der Refugee Guide in mehreren Sprachen online einsehbar ist => KLICK

Auf diese Weise sei ein Leitfaden entstanden, der als hilfreich, aber nicht belehrend empfunden werde, sagte Claudia Mohr. Einige Bewohner des Vincentiushauses hätten den 16seitigen "Knigge" bereits testen können und für gut befunden.

Nach dem gestrigen Pressetermin begann die flächendeckende Verteilung in Baden-Baden, die die Sozialarbeiter der Stadt nun schrittweise übernehmen werden, sobald neue Asylbewerber in die jeweiligen Unterkünfte ziehen.

Hier ein paar erste Eindrücke: