Donnerstag, 19. November 2015

Sprache - VHS


Eine neue Herausforderung


Mittlerweile hat sich im Bereich Sprachkurse einiges geändert.


Seit kurzem gibt es nun an der Volkshochschule Baen-Baden mehrere kostenlose Intensiv-Deutschkurse für derzeit (Stand Dezember 2015) 150 Flüchtlinge, die in Modulen von jeweils 6 Wochen unterrichtet werden. Nach jedem Modul wird eine „Lernzielkontrolle“ (Vergleichbar mit einem Zeugnis) abgelegt. Wer nicht besteht, darf nicht weitermachen, aber gegebenenfalls wiederholen. Dies ist eine große Herausforderung für die Asylbewerber und ihre ehrenamtlichen Sprachbegleiter. Die ehrenamtlichen Sprachlehrer haben sich deshalb neu aufgestellt, es gibt zwar weiterhin Sprachkurse in den Unterkünften (vor allem für Analphabeten und Anfänger), aber viel mehr noch wird nun von ihnen Nachhilfe, beziehungsweise Hausaufgabenüberwachung gefordert.




Die Kurse


Kurse, gefördert vom BA

Es gibt im Augenblick (Stand Dezember 2015) sechs Kurse, die die Bundesagentur für Arbeit finanziert => KLICK

Die Kurse sind ausschließlich für Flüchtlinge aus den Herkunftsländern
Syrien,
Eritrea,
Iran und
Irak.

Jeder Kurs beinhaltet drei Module (insgesamt 320 Unterrichtseinheiten) und findet in der Regel fünf Tage in der Woche statt, zwei Kurse nachmittags 13 bis 17 Uhr in der VHS, ein Kurs von 8 bis 12.30 Uhr im Briegelacker, und ein Kurs in der Innenstadt.

Zwei dieser Kurse laufen bereits, zwei starten nächste Woche.
Der Ansturm ist enorm, es gibt bereits eine Warteliste für einen fünften Kurs.

Voraussetzungen:
Vorlage des Ausweises
Wohnort in Baden-Baden
Herkunftsländer: Syrien, Eritrea, Irak und Iran
Kosten: kostenlos, aber das Buch muss gekauft werden.
Fahrtkosten: Wer weiter als 3 Kilometer vom Unterrichtsstandort entfernt wohnt, bekommt die Monatskarte im Nachhinein erstattet, wenn er regelmäßig an den Kursen teilgenommen hat.

Das Bundesamt für Migration hat außerdem die Türen für Integrationskurse weit geöffnet. Das bedeutet: Wenn die BA-Kurse auslaufen, kann es gleich mit einem Integrationskurs weitergehen, in dem neben der Sprache auch ein politisches Modul eingeschlossen ist. Diese Integrationskurse sind Voraussetzung für eine Einbürgerung in Deutschland.


Wer nicht aus den oben genannten vier Herkunftsländern stammt, für den gibt es ebenfalls mehrere Deutsch-Intensivkurse an der VHS:

Kurs von Land und Stadt gefördert

Ein Kurs aus einem Programm des Landes Baden-Württemberg, das zwei Drittel der Kosten übernimmt, während auf die Stadt Baden-Baden ein Drittel der Kosten zukommen. Dieser Kurs ist für Flüchtlinge gedacht, die schnell integrierbar erscheinen. Zum Beispiel weil sie sich bereits in der Vergangenheit intensiv bemüht haben, in Kursen der ehrenamtlichen Helfer Deutsch zu lernen. Die Stadt schlägt der VHS hierfür auf Empfehlung der Ehrenamtlichen die Teilnehmer vor. Dieser Kurs startete Anfang November mit 20 Teilnehmern. Er umfasst fünf Module (600 Unterrichtseinheiten) und findet von 12.45 bis 16 Uhr in der VHS statt.


2 Kurse, gefördert durch die Schöck-Stiftungen

Diese Kurse werden aus Mitteln der Unternehmensstiftung Schöck und der Schöck-Familienstiftung finanziert und finden von Montag bis Freitag von 9 bis 12.15 Uhr zum Teil in den Räumen der Brücke 99 statt und umfasst 6 Module (660 Unterrichtseinheiten). Mehr Informationen => KLICK


Es gibt bereits eine Warteliste bei der VHS für weitere Kurse, so dass die Leiterin der VHS, Monika Burck, zuversichtlich ist, dass noch in diesem Jahr ein weiterer Kurs zustande kommen kann – falls weitere Förder-, bzw. Stiftungsgelder fließen und qualifizierte Lehrer zur Verfügung stehen. Letzteres ist ein Problem, denn die Qualitätsanforderungen an die Pädagogen sind hoch. Sie sollten eine pädagogische und eine sprachliche Ausbildung vorweisen.





Unkompliziert anmelden

Interessierte Asylbewerber, die nicht aus den oben genannten vier Herkunftsländern stammen, können sich auch direkt bei der VHS für einen Kurs bewerben. Dies geht bei Vorlage ihres Ausweisdokuments relativ unkompliziert.

Schwierigkeiten bereitet die Zusammensetzung der Kurse, denn es treffen Analphabeten, Zweitschriftlerner und Hochschulabsolventen aufeinander.

Durchs Raster fallen im Augenblick Analphabeten, die nicht aus den oben erwähnten vier Ländern stammen. „In der Tat haben wir im Augenblick zwei Menschen aus Gambia, die gerne Deutsch lernen möchte, die wir aber nicht in unsere Kurse integrieren können,“ bedauert Monika Burck (Foto).



  

Was können die Ehrenamtlichen tun?

Anders als noch vor kurzem geben sie nun nicht mehr vorrangig eigenständige Deutschkurse. Ihre Hilfe wird aber umso dringender benötigt in der Hausaufgabenbetreuung und Motivation der Asylbewerber.

Die Kurse an der VHS sind sehr intensiv, es wird viel verlangt. Wer bei den Hausaufgaben nachlässig ist, verliert schnell den Anschluss, wird eventuell den Kurs abbrechen oder die Prüfungen nicht bestehen.

Wichtig ist, dass die Asylbewerber die Kurse regelmäßig besuchen. Wenn sie nur sporadisch auftauchen, weil sie zum Beispiel parallel ein Praktikum absolvieren, werden sie den Anschluss verlieren. Die Bundesanstalt für Arbeit drängt daher darauf, dass die Flüchtlinge nach Möglichkeit erst Deutsch lernen, bevor sie sich auf die Suche nach Praktika oder Arbeit machen.



Alternativen für Individualisten

Für alle, die keinen Intensivkurs machen können oder wollen, bietet die VHS Deutschkurse mit nur 1 bis 2 Terminen pro Woche (hauptsächlich im Stadtteilzentrum Briegelacker) an, die nicht nach Herkunftsländern unterscheiden, für die aber ein Kostenbeitrag erbracht werden muss. Hier erscheint jedes Semester das neue Programm (also 2 x im Jahr: Januar und September).

Hier geht es zum derzeitigen Flyer zum Ausdrucken => KLICK







Einige dieser Kurse werden unbürokratisch von der Caritas vermittelt und sind für die Asylbewerber nicht ganz kostenfrei. Wenn die Ehrenamtlichen ihnen aber eine gewisse Motivation bescheinigen, beträgt ihr Eigenanteil in den Anfängerkursen 15 Euro. Plus Buch. Spätzünder können sich übrigens auch auf gut Glück im laufenden Semester als Nachrücker für einen Platz bewerben, wenn ein Teilnehmer aussteigt. Letztes Wort hat hierbei allerdings der Kursleiter.

Anmeldungen und weitere Informationen
unter Telefon (07221) 9965 - 362 / 365
oder a.lurtz@vhs-baden-baden.de 
oder a.schnepf@vhs-baden-baden.de



Neue Aufgaben für die ehrenamtlichen Sprachlehrer

In den einzelnen Unterkünften haben sich die ehrenamtlichen Sprachlehrer aufgrund der geänderten Kurs-Lage neu aufgestellt. Es gibt zwar auch weiterhin Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene.
Breiten Raum aber nimmt nun die Unterstützung der VHS-Teilnehmer ein - bis hin zum Aussprachetraining. Außerdem verlagert sich das gemeinsame Lernen in Kleinstgruppen mit ein bis zwei Teilnehmern bzw. zu Intensivschulungen, zum Beispiel im Vincentiushaus, um einen Asylbewerber fit fürs Gymnasium zu machen.


Ansprechpartner: 

Vincentiushaus: Birte Gräper
Westliche Industriestraße: Michael Beck
Schussbachstraße: Anna Baßler
Rebland: Isabelle Himmel
Abarin: N.N. (wird nachgetragen)


Bitte schreiben Sie eine formlose Mail an folgende zentrale Adresse und teilen Sie einfach mit, an welchem Standort Sie sich engagieren wollen. Der jeweilige Ansprechpartner meldet sich dann bei Ihnen.
Mail: sprachlehrer-Baden-Baden@outlook.de



Tipps und Tricks

Für alle ehrenamtlichen Sprachlehrer, die sich in Sachen Hausaufgabenbetreuung und Motivation engagieren, hier noch ein paar kleine Tipps und Tricks, die uns Agata Schnepf verraten hat. Frau Schnepf ist als Fachbereichsleiterin für das gesamte Sprachprogramm der VHS zuständig und hat selbst langjährige Erfahrung mit der Durchführung von Integrationskursen.
Sie schlägt vor:
  • Nehmen Sie Ihren Schülern nicht alles ab. Geben Sie ihnen einige Minuten Zeit zum Überlegen. Korrigieren Sie die Aufgaben.
  • Sorgen Sie dafür, dass sie überhaupt die Hausaufgaben machen! Die Wiederholung des Unterrichtsstoffes ist notwendig, um den Anschluss nicht zu verlieren. Am nächsten Tag geht es mit dem Pensum weiter, es wird nichts wiederholt, man setzt voraus, dass das Gelernte „sitzt“.
  • Lassen Sie Ihre Schüler alles laut vorlesen und verbessern Sie die Aussprache unbedingt.
  • Lassen Sie sie die markierten Hör-Beispiele aus dem Arbeitsbuch mithilfe der Audio-CD nachsprechen.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Schüler bei ihren Aufgaben die Klein- und Großschreibung üben.

Sehen Sie aber bitte nicht nur auf die Sprachkompetenz“, raten Agata Schnepf und Monika Burck zum Abschluss. Genauso wichtig sei es, die Menschen mit ihrer ganzen Persönlichkeit anzunehmen und sie zum Beispiel mit Kultur und Gesellschaft in Kontakt zu bringen. „Machen Sie ihnen Mut, auch einmal alleine loszugehen um Bilder anzusehen, in der Stadtbücherei zu stöbern oder Musikveranstaltungen zu besuchen. Integration funktioniert nicht nur über den Kopf, auch die Seele muss in der neuen Gesellschaft ankommen.“


Für Asylbewerber, die nach ihrem eigenen Rhythmus lernen wollen, haben die Volkshochschulen dieses kostenlose Portal entwickelt => KLICK

Hier geht es zur Sonderseite "Sprache" mit weiteren Informationen =>  KLICK