Freitag, 18. Dezember 2015

Sprache - Müller



"Nehmen Sie es nicht persönlich"

Lehrer brauchen gute Nerven. Und manchmal sogar Nachhilfe. Zumindest ehrenamtliche Deutschlehrer, die sich in ihrem Alltag immer wieder mit ungeplanten Schwierigkeiten konfrontiert sehen. Wie gehe ich mit Unpünktlichkeit um, wie mit der nach Ethnien, Nationen und Religionen kunterbunt zusammengewürfelten Schülerschar, wie mit Traumata, an denen so manche Schüler zu tragen haben?

Solche Fragen hatten die Sprachlehrer aller Asyl-Unterkünfte in Baden-Baden gesammelt und ließen sich nun diese Woche bei einer Zusammenkunft im Bonhoeffersaal von Kerstin Müller, einer absoluten Fachfrau, auf die Sprünge helfen: Müller ist Diplom-Kommunikationspädagogin, Diplom-Atempädagogin und seit 20 Jahren als Dozentin, Trainerin, Lehrende und Sprechende sowie Stressmanagement-Trainerin aktiv. Sie unterrichtet seit vielen Jahren erfolgreich Migranten verschiedenster Altersstufen in Deutsch an verschiedenen Institutionen in Heilbronn und Mannheim. Sie wusste also, wo einem ehrenamtlichen Sprachlehrer schon mal der Schuh drücken kann.




35 Freud- und Leidgeprüfte kamen auf Initiative des ehrenamtlichen Sprachkurs-Koordinators der westlichen Industriestraße, Michael Beck, zusammen und schütteten der erfahrenen Trainerin ihr Herz aus.

Nehmen Sie es nicht persönlich“, war denn auch deren erster Rat – nicht nur zum leidigen Thema (Un-)Pünktlichkeit. „Sie haben es mit Menschen zu tun, die zum Teil schreckliche Dinge erlebt haben.“ Man sollte sich als Sprachlehrer in professioneller Distanz üben, um der Gruppe einen sicheren Rahmen geben.

Die Gruppen, so war Müllers Erfahrungen, profitierten im übrigen davon, bunt zusammengemischt zu sein, denn so könne auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Nationen entstehen. Praktisch sei es, wenn sich zwischen den Teilnehmern Patenschaften entwickelten, durch die sich die Teilnehmer gegenseitig moralisch verpflichtet fühlen könnten, zum Unterricht zu erscheinen.

Es gebe aber nun mal unterschiedliche Empfindungen für Zeit, tröstete sie die Lehrer. Manchmal helfen hier grundsätzliche Verpflichtungen wie zum Beispiel, von den Teilnehmern nicht nur das Versprechen zur regelmäßiger Teilnahme abzuverlangen sondern auch ein Pfand dafür einzufordern, das bei mehrmaligem Schwänzen verfallen kann.

Verbünden Sie sich mit den Pünktlichen und Fleißigen“, riet sie. Ganz wichtig sei: „Wer zu spät kommt, bekommt den versäumten Unterricht nicht nachgeliefert.“

Auch zum Phänomen, dass manche Sprachschüler sehr aufmerksam im Unterricht sitzen, immer nicken und am Ende herauskommt, dass sie nichts verstanden haben, hatte sie eine Erklärung: Es gebe in manchen Nationen eine Kultur des Ja-Sagens, man wolle nur höflich sein, und auch Nachfragen an den Lehrer seien dort verpönt, weil es als Kritik am Lehrer gelten könnte. Das müssen man einfach wissen.

Tipps gab es auch zur Unterrichtsstruktur, für die man sich – so Müller - unbedingt vorbereiten sollte. Wer Lernziele setze und diese auch erreiche, der gebe sich selbst mehr Sicherheit beim Unterrichten. Am Ende einer Stunde könne beispielsweise immer eine Zusammenfassung als Lernzielkontrolle stehen. Gleichwohl sollte sich ein ehrenamtlicher Lehrer auch stets bewusst sein: „Sie sind Lehrer, um einen Stoff zu vermitteln, nicht, um geliebt zu werden.“

Zum Schluss noch zwei Literaturtipps für die Vermittlung der ungeliebten, aber unverzichtbaren Grammatik:

PONS – Grammatik in Bildern für „Deutsch als Fremdsprache“ => KLICK

Longolia – Grammatik => KLICK


Mehr Tipps und Tricks und Informationen für ehrenamtliche Sprachlehrer finden Sie hier  => KLICK