Freitag, 4. Dezember 2015

Sprache - Schöck


Schöck-Stiftungen fördern gleich zwei Sprachkurse


Ich möchte Deutsch lernen, um eine Ausbildung zu machen und zu arbeiten“ - dieser Satz, von manchen noch recht stockend vorgebracht, war gestern Wunsch und Motivation zugleich – und auch ein kleines Baden-Badener Weihnachtsmärchen – wahr gemacht durch die beiden Schöck-Stiftungen, die gleich zwei Sprachkurse für Asylbewerber finanzieren.




40 Flüchtlinge bekommen auf diese Art Gelegenheit, in einem sehr straffen Programm an der Volkshochschule die deutsche Sprache zu lernen: Neun Monate lang müssen sie nun fünf Tage in der Woche vier Stunden büffeln, dazu kommt die Verpflichtung, nachmittags zwei Stunden Hausaufgaben zu machen. Am Ende der Plackerei wird im Juni eine Prüfung stehen und ein Zertifikat der Niveaustufe B1 winken – die allerbeste Eintrittskarte ins Berufsleben in Deutschland.

Und damit nicht genug, daran anschließend gibt es noch ein weiteres Modul, in dem die Teilnehmer drei Wochen lang grundlegende politische Kenntnisse über Deutschland erwerben werden - von der Rechtsprechung, über das Grundgesetz, Wahlrecht bis hin zum Familienrecht, über Kultur und Geschichte Deutschlands von der Paulskirche bis zur EU. 


von links: Peter Möller, Sabine Schöck, Eberhard Schöck, OB Mergen und Felicitas Schöck

 
Gestern sagten alle Beteiligten der Familie Schöck direkt vor Ort im Klassenzimmer des ersten Kurses, der seit zwei Wochen angelaufen ist, Dankeschön: Die Schüler ebenso wie VHS-Leiterin Monika Burck, die noch einmal das Ziel umriss: Wenn die Schüler eisern dabeibleiben, werden sie am Ende so viel Deutschkompetenz erwerben wie deutsche Schüler in fünf Jahren Englischunterricht erreichen. Sie sollen sich dann mühelos im Alltag verständigen können, also selbständig einkaufen, zum Arzt gehen, mit den Ämtern kommunizieren und persönliche Briefe schreiben können. Mittelstufenkenntnisse lautet der Fachjargon.

Sprache sei die Keimzelle der Integration, betonte Monika Burck, darüberhinaus werde den Teilnehmern ein strukturierter Tagesablauf in einer engen Klassengemeinschaft geboten. Das Ziel könne nur erreicht werden, „wenn es gelingt, offen und tolerant aufeinander zuzugehen, sich für andere Kulturen zu interessieren, und – ganz wichtig – den Kurs auch wirklich durchzustehen.“

Der Dank galt uneingeschränkt der Familie Schöck: Sprache sei „die beste Entwicklungshilfe, die es gibt, und selbst wenn manche Teilnehmer vielleicht nicht hierbleiben können, nehmen sie etwas mit.“ Dank sagte sie auch der Caritas, die, da die VHS inzwischen aus allen Nähten platzt, ganz unbürokratisch in dem Gebäude der Brücke 99 einen Raum für den Deutschkurs zur Verfügung stellt.

Auch Oberbürgermeisterin Margret Mergen dankte der Familie Schöck für die großzügige Unterstützung: Die Eberhard-Schöck-Stiftung (ESS) und die Schöck-Familien-Stiftung fördern – angeregt übrigens durch Pressesprecher Roland Seiter - die Sprachkurse mit jeweils 30 000 Euro.




Beide Stiftungen, so erklärte ESS-Geschäftsführer Peter Möller, haben unterschiedliche Schwerpunkte. Die Familienstiftung ist – neben ihrem Engagement in Projekten für sozial benachteiligte Kinder in Afrika, Indien und Nepal – schon länger auch in der Förderung von Integrationsprojekten in der Region aktiv, die ESS verfolgt als Kernaufgabe in Russland, der Ukraine und in Moldau die Modernisierung der Berufsausbildung im Bauhandwerk. Die Zwecke beider Stiftungen überschneiden sich jedoch in der Möglichkeit, Sprachkurse zu fördern.

Sabine und Eberhard Schöck und ihre Tochter Felicitas Schöck ermunterten die Asylbewerber, das Angebot anzunehmen und erfolgreich abzuschließen: „Wir drücken Ihnen die Daumen.“ Die Unterschrift von OB Mergen und Eberhard Schöck unter ein entsprechendes Vertragswerk besiegelte das vorbildliche Engagement.





Die Schüler dankten es mit Applaus und schon sehr konkreten Plänen für die Zeit danach: „Ich möchte Krankenschwester werden“, stand zum Beispiel für eine Nigerianerin fest und auch ein 25jähriger aus Gambia wusste genau, wie es später einmal mit ihm weitergehen soll: „Ich wünsche ... einen Schreinerkurs“, sagte er, wenngleich er - noch! - zwei Anläufe dafür brauchte. Ein Blick zur Kursleiterin Gabriela Schulz zeigte aber, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis ihm auch dieses schwierige Wort flüssig über die Lippen geht wird.



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