Donnerstag, 28. Januar 2016

Bewerbung


Lächeln! Denn Bewerben kommt von Werben

Was tun gestresste Personalchefs nicht alles, um im Meer der eingesandten Bewerbungen nach dem Puzzlestein zu fischen, das genau auf die ausgeschriebene Stelle und – ganz wichtig! – in den Betrieb passen könnte! Bei vier- und fünfhundert Bewerbungen muss man da schon zu Tricks greifen. Fettflecken auf dem Umschlag? Briefmarke schief aufgeklebt? Solche Umschläge wandern schnell mal auf den Haufen „Später ansehen“. Ebenso ergeht es Umschlägen, aus denen lose Blätter oder unbeschriftete Passbilder fallen, ebenso wie Mappen, in denen die Anschreiben länger als eine Seite sind. Irgendwann bleibt ein erträglicheres Häufchen von vielleicht zwei- dreihundert übrig. Und auch dann lechzt der Personalchef nach Dingen, die sein Leben, beziehungsweise die Auswahl leichter machen.




Petra Kirst aus Rastatt konnte während einer Fortbildungsveranstaltung für ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Baden-Baden ein Lied davon singen. Einst auf der Chefseite mit Einstellungen befasst, coacht sie heute Arbeitssuchende, damit die bei der Jobsuche möglichst viele Fettnäpfchen und Fallen vermeiden. Hier geht es zu ihrer Webseite =>  KLICK
Jetzt plauderte sie vor einer Reihe interessierter ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer aus dem Nähkästchen.

Ihre Empfehlungen, die für jeden gelten, egal, ob er/sie aus Sandweier oder aus Kamerun stammt:

Bewerbungsunterlagen

Eine Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle ist immer Marketing für den Jobsuchenden. Bewerben kommt von Werben.

Wie man seine Unterlagen am besten formal gestaltet und verpackt, wie ein Lebenslauf aussehen sollte, steht auf der sehr hilfreichen Internetseite Karrierebibel => KLICK

Wichtig: Keine Standardbewerbung, sondern genau auf die Stelle abstimmen.

Bonus für Flüchtlinge: Während normalerweise großer Wert auf Rechtschreibung gelegt wird, kann es bei Flüchtlingen schon mal eine Ausnahme geben, vor allem, wenn darauf hingewiesen wird, dass die Bewerbung „handmade“ ist.

Vorstellungsgespräch

Ein weites Minenfeld, denn der erste Eindruck entscheidet – manchmal sogar, bevor der Aspirant überhaupt das Büro betritt. Es gebe durchaus Personalchefs, die am Fenster auf die Bewerber warten und genau beobachten, ob vor der Tür noch eine Zigarette geraucht (und die Kippe ins Blumenbeet geworfen) oder das Kaugummi vor den Eingang gespuckt wird.

Betritt man das Büro geht es zu allererst um nonverbale Wahrnehmung. Sie wollen beeindrucken!

Tipps:
  • Am Morgen duschen, kein Parfüm, kein Rasierwasser, auch keine Mütze aufsetzen.
  • Wichtig für Männer: Keine Goldketten, keine Ohrringe, kein Piercing, keine Tätowierungen (lange Ärmel / Pflaster)
  • Handy aus.
  • Kleiderauswahl der Art des Betriebs anpassen.
  • Vorbereiten! Machen Sie sich auf die zehn üblichen Fragen (siehe unten) gefasst, bereiten Sie Antworten vor, üben Sie sie mit einer Vertrauensperson, ohne sie auswendig zu lernen.
  • Vorher telefonisch abklären, ob es gewünscht wird, wenn ein Flüchtlingshelfer mitkommt.
  • Vorstellen: Guten Tag, ich bin... (nicht: Ich heiße... oder meine Name ist...) Wichtig für Flüchtlinge: Erst der Vor- dann der Nachname.
  • Begrüßen: Warten, bis der Chef einem die Hand gibt.
  • Lächeln!
  • Stehen bleiben, bis der Chef einem einen Platz anbietet.
  • Lächeln!
  • Wenn etwas zu Trinken angeboten wird, zum stillen Wasser greifen. Tee oder Kaffee vermeiden (Heißgetränke müssen ausgetrunken werden, wer weiß, ob die Zeit dazu reicht)
  • Schreibblock und Stift mitbringen.
  • Vorher Fragen überlegen und aufschreiben, denn die letzte Frage „Haben Sie noch Fragen“, muss bedient werden.
  • Lächeln!

Bereiten Sie sich auf zehn übliche Fragen vor:

  1. Erzählen Sie etwas über sich (Tipp: Keine Romane, Eckpunkte vorbereiten)
  2. Warum haben Sie sich bei uns beworben (Homepage lesen und sich darauf beziehen)
  3. Warum wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen? (Am besten gezielt ein paar Punkte aus der Stellenausschreibung aufgreifen)
  4. Was wissen Sie über unsere Firma? (Stichworte vom Notizblock sind hilfreich)
  5. Was möchten Sie in drei, fünf oder zehn Jahren erreichen? (Mit dieser Frage wird abgeklopft, ob Sie motiviert genug sind, jeden Morgen pünktlich aufzustehen und zur Arbeit zu erscheinen. Also: Auto kaufen, Familie gründen (Achtung: Sollte nur ein Mann sagen), Haus bauen)
  6. Warum denken Sie, die richtige Besetzung für die Stelle zu sein? (Achtung Stressfrage! Ruhe bewahren. Eigene Qualifikationen in Bezug auf die Stellenausschreibung herausarbeiten – vorbereiten!)
  7. Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen? (Keine Allgemeinplätze, sondern konkret werden: z.B. Ich komme gut mit Stress zurecht, bin zuverlässig...bzw. Schwächen: Unzureichende Kenntnisse am PC oder einer Fremdsprache zugeben)
  8. Was stört Sie an anderen Menschen? (z.B. Ich habe Schwierigkeiten, mit mangelndem Engagement zurechtzukommen)
  9. Was möchten Sie verdienen? (Bandbreite nennen. Verhandlungsbereit sein.)
  10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? (Mannschaftssport zeigt Teamfähigkeit, Ehrenamt ist ideal.)
  11. Zum Schluss: Haben Sie noch Fragen? (Unbedingt noch eine Frage auf dem Zettel haben! z. B. Hätte ich in der Abteilung einen festen Ansprechpartner? Oder: Bis wann kann ich mit einer Antwort rechnen?)

Beachten Sie: Geschulte Gesprächspartner interessieren sich nur am Rande für den Inhalt Ihrer Aussage, auch Mimik, Gestik und Zögern wird bewertet.

Was Personalchefs wirklich wichtig ist:

Personalchefs von 105 Unternehmen wurden kürzlich befragt, was ihnen bei der Auswahl eines Bewerbers wichtig sei.

Nummer eins: Persönlichkeit!
88 Prozent legten Wert darauf, dass die Bewerber/in authentisch ist. (Also bitte nicht verstellen.) Welche Werte treiben Sie an? Sie müssen wissen, was Sie können (z.B. gut mit Menschen umgehen) und was nicht (z. B. den ganzen Tag Briefe tippen)

Nummer zwei: Kommunikation!
73 Prozent der Personalchefs ist es wichtig, dass die Bewerber freundlich sind und auch so reden (gut fürs Betriebsklima). Also: Bitte lächeln!

Nummer drei: Fachliche Kompetenz!
Die war nur halb so wichtig (51 Prozent). Auch hier sollte man wissen: Es wird niemand eingestellt, der die Tätigkeit zu hundert Prozent erfüllen kann (würde sich schnell langweilen und Unruhe in den Betrieb bringen). Besser, man bewirbt sich auf eine Stelle, die man sich zu 80 Prozent zutraut und verweist auf seine Motivation, etwas dazuzulernen und auf den Willen zum Erfolg.


Was können Ehrenamtliche für jobsuchende Flüchtlinge tun?

Bewerbungsmappe durchgehen. Darauf achten, dass Ihr Schützling aus der Menge heraussticht. Zum Beispiel könnte ein gelernter Schneider mit einem kleinen Stoffmuster punkten, in das er ein Knopfloch eingearbeitet hat.

Flüchtling zur Eigeninitiative ermuntern. Wenn er vermerkt, dass er die Bewerbung alleine verfasst hat, darf sie auch einen Rechtschreibfehler haben.

Rufen Sie die Firma im Vorfeld an und fragen Sie nach einem Ansprechpartner, an den der Flüchtling seine Bewerbung schicken kann.

Rufen Sie zwei Wochen danach an und erkundigen Sie sich, ob die Bewerbung auf dem Schreibtisch angekommen ist und ob noch Unterlagen nachgereicht werden sollen.

Erkundigen Sie sich vor dem Vorstellungsgespräch, ob Sie dabei sein dürfen. Im Zweifelsfall im Vorzimmer warten.

Üben Sie mit dem Flüchtling die Situation eines Vorstellungsgesprächs und stellen Sie auch „fiese“ Fragen (z. B. aus welchem Bundesland stammt die Bundeskanzlerin, wie heißt der Verkehrsminister), damit er im Ernstfall nicht aus der Fassung gerät.

Alles weitere: siehe oben.

Nachzulesen auch auf der Webseite www.Karrierebibel.de

Mehr Informationen zum Thema "Arbeit für Flüchtlinge" finden Sie auf dem Baden-Badener Flüchtlingshilfe-Blog hier =>  KLICK