Sonntag, 7. Februar 2016

Trommeln


Glückliche Gesichter, Lebensfreude pur! 

Drum – listen – dance! Trommeln – zuhören – tanzen!
Das muss man manchen Flüchtlingen nicht zweimal sagen, zumal, wenn sie aus Afrika kommen und zum offenen Trommelkreis à la „African Drumming“ eingeladen werden. Kaum waren die Instrumente im Keller des Stadtteilzentrums Briegelacker aufgestellt, trudelten auch schon die ersten Spezialisten ein. 




Pascal aus Togo, einer von ihnen, leitete spontan und souverän einen Rhythmus ein, mit Gesang - und ab ging die Post! Ohrenbetäubend! Welch eine Lust und Hingabe! Mitreißend! Lebensfreude pur! Glückliche Gesichter überall, auch wenn nicht genügend Trommeln für alle da waren. Viel wichtiger schien den Teilnehmern zu sein, dass sie sich einfach mal für ein bis zwei Stunden gehen lassen konnten. Alle Sorgen und oft schlimmen Erlebnisse eine Zeit lang vergessen... 




Uwe Mayer, der den Trommelkreis ins Leben gerufen hatte, erinnert sich an den Tag, an dem ihm die Idee dazu kam. Das war im Frühjahr letzten Jahres beim großen Willkommensfest in Oos gewesen. „Ich habe damals die vielen Neuankömmlinge gesehen, so viele Afrikaner darunter. Da fand ich die Idee einer offenen Trommelrunde so naheliegend, als eine Möglichkeit des sich Auslebens und Loslassens, des Lernens und auch des Ankommens, des Austausches und der nonverbalen Kommunikation. Daher der Name Talking Drums.” Und da er selber geübter Trommler ist, lag der nächste Schritt nicht weit.




Bald wurde geplant und im September ging es dann los. Lernkurve: Steil. Unter den Flüchtlingen will die afrikanische Kultur der Rhythmen Ausdruck finden, genauso wie die syrisch-arabische. Beides zusammen – schwierig! Erst kamen die Afrikaner, dann kamen plötzlich viele Syrer dazu, dann nur noch die Syrer, vor Weihnachten fast keiner mehr. Es gab doch einige Berührungsängste. Zudem, eine afrikanische Djembe spielt sich nicht wie eine arabische Darbuka. Beide Kulturkreise haben eine starke Identität, schön wenn beide Raum fänden! 



Zum neuen Jahr dann ein großartiger Neubeginn. Mit Plakaten, die in den Asylunterkünften der Stadt verteilt wurden, wurde wie zuvor wieder geworben. Diesmal aber wurde vor allem direkt geworben. Uwe hatte potenzielle Interessenten verstärkt in Heimen und im Bus angesprochen, Namen und Mobilnummern gesammelt. 




Fokus waren jetzt wieder erstmal Afrikaner. Und mit gutem Erfolg. Zur ersten Trommelrunde des Jahres kamen jetzt wieder zahlreiche junge afrikanische Männer, aber auch zwei afrikanische Frauen waren dabei sowie ein Mann aus Syrien. Alle folgten dem Ruf der Trommeln und hatten ihren Spaß! 


 
Der sympathische junge Mann aus Syrien, Ahmad, meldete sich am Abend einmal so richtig zu Wort - musikalisch. Ein kurzer Trommelwirbel reichte, um alle aufhorchen zu lassen: Da ist ein Talent am Werk! Pascal und Ahmad hielten zuerst eine interkulturelle Konversation anhand der Trommeln, dann rief Ahmad “Arabisch...!”. 

Was folgte, war ein Solo sondergleichen. Und tatsächlich. Es stellte sich heraus, dass Ahmad ein professioneller Percussionist ist, der einst mit Orchestern internationale Auftritte absolviert hatte, von Quatar bis Schweden. Dann kam der Krieg. Nach einer langen Odysee ist er in einer Unterkunft in Baden-Baden gelandet, mit einem Handy voller YouTube- Erinnerungen an seine musikalische Vergangenheit. 
 



Hier eine kleine Kostprobe (leider nur für Facebook-Nutzer zugänglich) => KLICK
 
Das Ziel ist nun, spezifische Trommelabende anzubieten, wöchentlich abwechselnd: einmal afrikanisches Trommeln, einmal arabisches Trommeln... Mitspielen dürfen alle die Lust haben, es soll bewusst ganz offen bleiben! Dafür werden jetzt aber erstmal noch dringend ein paar arabische Trommeln benötigt. 
 
Die momentan zur Verfügung stehenden Trommeln sind afrikanische Djemben, sie sind alle für den jeweiligen Abend von ihren Besitzern aus Baden-Baden und Umgebung ausgeliehen, werden stets geholt und wieder zurück gebracht. Da das nicht auf Dauer ausgelegt ist, ist der dringende Wunsch in den nächsten Monaten wenigstens einige eigene Trommeln anschaffen zu können, die dann auch vor Ort, im Jugendzentrum des Stadtteilzentrums bleiben sollen.
Und daher ein Aufruf: Afrikanische oder arabische Trommeln, die ein neues Zuhause suchen?? 



Wenn sich jemand angesprochen fühlt, weil auf dem Dachboden seit Jahren eine arme, unbenutzte und brauchbare Trommel verstaubt, findet beim Trommelkreis Talking Drums dankbare Abnehmer! Gegebenenfalls können sie auch repariert werden. 

Kontakt: 
Tel. 07221- 183525  (Caritas)
oder Mail: brighterfuture@outlook.com (Uwe Mayer)

Der nächste Talking Drums Abend ist am 15. Februar, ab 19 Uhr. Etwas später sollen die Trommelabende dann ganz ausgeweitet werden, für alle Asylbewerber, alle Immigranten sowie alle Baden-Badener. Wie es schon auf dem Plakat steht. Aber zunächst soll sich erst mal alles etwas mehr festigen - und dann wäre da ja noch die Sache mit den Instrumenten...!