Donnerstag, 7. April 2016

Arbeitgeber


"Kampf um die Köpfe" als Marathonlauf

Das war ein Riesenerfolg: An die 70 Unternehmer und Arbeitgeber folgten am Dienstag einer Einladung der Stadtverwaltung, sich ganz praktisch über Möglichkeiten zu informieren, Flüchtlinge in Lohn und Arbeit zu bekommen. 



Ein Dach über dem Kopf haben die Flüchtlinge, wenn sie nach Baden-Baden kommen. 26 dezentrale Standorte sind geplant beziehungsweise gebaut, darauf ist die Stadt mit Recht stolz. Aber was nun? Die Antwort liegt auf der Hand: „Sie müssen schnell Deutsch lernen und eine qualifizierte Berufsausbildung beginnen. Das hilft ihnen und uns, denn wir brauchen Fachkräfte. Es lohnt sich also langfristig für alle“, so Oberbürgermeisterin Margret Mergen bei der Begrüßung. 



Ingo Zenkner und Annette Hanfstein von der Arbeitsagentur Karlsruhe/Rastatt stellten die Eckpunkte vor:

Der Kampf um die Köpfe hat begonnen, die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand. Viele offene Stellen gibt es schon jetzt, in vier, fünf Jahren scheiden zahlreiche ältere Beschäftigte aus dem Berufsleben aus, dann werden bundesweit 6 bis 10 Millionen Fachkräfte fehlen.







Nicht optimal sieht Zenkner allerdings das Bildungsniveau der meisten Flüchtlinge, die derzeit zu uns kommen. 80 Prozent haben seiner Einschätzung nach nicht die erforderliche formale Qualifikation für einen direkten Berufseintritt. Er vermutet, dass man vielleicht im ersten Jahr zehn Prozent in den Arbeitsmarkt integrieren kann, für die anderen aber werde es ein langer Weg, ein Marathonlauf. "Nicht heute, nicht morgen, aber übermorgen", lautete seine Devise. Denn die Flüchtlinge sind jung, im Durchschnitt 23 Jahre alt, so dass es kein Problem sein wird, sie für die geeigneten Berufe auszubilden. Voraussetzung dafür sei allerdings die Sprache. Daher lege man seitens der Arbeitsagentur viel Wert darauf, dass genügend Deutschkurse angeboten werden.

Praktische Tipps für Arbeitgeber, die künftig Flüchtlinge ausbilden oder beschäftigen wollen, gab Annette Hanfstein: 














Sie forderte alle Arbeitgeber auf, sich bei Fragen oder Unsicherheiten an die Arbeitsagentur Karlsruhe/Rastatt zu wenden. "Wir beraten und unterstützen Sie", versprach sie. Der Arbeitsintegrator der Stadt Baden-Baden, Stephan Langreder, pflichtete ihr bei. Kontaktinformationen finden Sie am Schluss des Beitrags.

Von besonderem Interesse waren an dem Abend Beispiele aus der Praxis. Alle Arbeitgeber, die bereits Flüchtlinge eingestellt haben, berichteten durchweg von positiven Erlebnissen.  

Heike Berger vom Brenners Parkhotel lobte die Ehrenamtlichen, die bereits im Vorfeld die geeigneten Kandidaten für das Luxushotel auswählten und auch während der Beschäftigungszeit nachhaltig Kontakt hielten. Das sei eine echte Hilfe. 
Sie berichtete von einem 22jährigen aus Gambia mit erweitertem Hauptschulabschluss, der als Hausbursche eingestellt wurde und mit seinem sehr guten Englisch für den internationalen Hotelbetrieb "Gold" wert sei. Seit letztem Jahr macht er nun eine Ausbildung zum Hotelkaufmann. "Das hat sich gelohnt", war ihr Fazit.
Auch der zweite Flüchtling, ein 27jähriger aus Nigeria, mache sich gut. Er konnte Anfang März ebenfalls als Hausbursche anfangen und perfektioniert derzeit sein Deutsch, um eventuell 2018 mit einer Ausbildung zu beginnen. Auch wenn eine Bleibewahrscheinlichkeit nicht hoch sei, sei eine sinnvolle Beschäftigung der Menschen allemal wichtiger als untätiges Herumsitzen, meinte sie. 

Aldi Süd hat ähnliche Erfahrungen gemacht, wie Marc Engelhardt erläuterte. Ende 2015 habe man 30 Teilnehmer zu einem Speed-Dating eingeladen und die Leute vor allem auf Sprachkenntnisse, Umgang mit Menschen und Freundlichkeit abgeklopft. Elf kamen schließlich in Frage, und am Ende bekamen sechs von ihnen ein Praktikum. Zwei von ihnen werden danach übernommen, weil es bei den anderen meist noch mit der Sprache haperte. Deutsch sei aber Grundvoraussetzung für eine Lehre und den Unterricht in der Berufsschule. Eventuelle Vorbehalte seitens der Belegschaft hatte man übrigens binnen eines Tages komplett ausgeräumt. "Wir werden mit dem Projekt weitermachen" versprach er.

Auch Dirk Striebel von Peters Backstube war geradezu euphorisch. In dem Familienbetrieb gelang das Experiment "Arbeit für Flüchtlinge" dank des Einsatzes eines Ehrenamtlichen:












Bianca Kleiner von Mercedes Benz stellte ein bundesweites Pilotprojekt vor, das sogenannte Brückenpraktikum, das über 14 Wochen hinweg die Flüchtlinge direkt in die Produktion mit begleitendem Deutschkurs führt. Hier hat man für die Region aus 23 Kandidaten zehn herausgepickt, darunter eine Frau. Problem waren die fehlenden Zertifikate, so man hat eben mehr nach Berufserfahrung Ausschau gehalten und ist fündig geworden.
Wenn das Praktikum im Juni abgeschlossen ist und die Flüchtlinge genügend Deutsch- und Produktionskenntnisse erworben haben, werden sie Arbeitszeugnisse erhalten und mit Zeitarbeitsfirmen zusammengebracht mit dem Ziel, ihnen Ausbildungsplätze zu vermitteln. Da die Flüchtlinge einen hohen "Betreuungsbedarf" haben, gibt man jedem Praktikanten einen "Paten" an die Seite, der sie in die Arbeitswelt aber auch zu ganz gewöhnlichen Dingen, wie Essensausgabe und Spint führt. Ein Erfolgsmodell. Allerdings: Alles hängt an der Sprache. Level A 1 ist unbedingt notwenig!

Arbeitsintegrator Stephan Langreder fasste das Resumee des Abends seitens der Stadtverwaltung zusammen:



Geboten wird eine Koordination im "Netzwerk Arbeit in Baden-Baden", das bedeutet vor allem Kontakte für Arbeitgeber zu möglichen Kandidaten unter den Baden-Badener Flüchtlingen. 

Lesen Sie hierzu auch den Beitrag über Stephan Langreder => KLICK


Kontakt:
Stephan Langreder
Profiler
Fachbereich Bildung und Soziales, Fachgebiet 1
Rollfeld 25 a
76532 Baden-Baden

Tel. 07221 - 93 147400
Mobil: 0151 1969 2230
Mail: stephan.langreder@baden-baden.de  


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