Dienstag, 19. April 2016

Minijobs


Ein Weg, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen:
450-Euro-Minijob im Privathaushalt


KLICK


Hier erklärt eine Ehrenamtliche, die nicht genannt werden möchte, anhand eines Beispiels, wie man als Privatperson Flüchtlinge in angemeldeten Minijobs (Putzhilfe, Gartenarbeiten) beschäftigen kann:

1. Schritt: Antrag stellen

Wenn Sie einen Flüchtling in Ihrem Haushalt auf Basis eines 450-Euro-Minijobs beschäftigen möchten, holen Sie zunächst mit dem üblichen Formular „Antrag auf Zulassung einer Beschäftigung“ die Genehmigung der Ausländerbehörde ein. Dieser Antrag wird von der Bundesagentur für Arbeit hinsichtlich Stundenlohn und Arbeitszeiten geprüft. 

Link zum 2-seitigen Formular „ Zulassung einer Beschäftigung“ => KLICK
 
Wichtig! Die Agentur für Arbeit besteht darauf, dass auf dem Formular die Kernarbeitszeiten eingetragen werden. Falls Ihr neuer Arbeitnehmer voraussichtlich meistens donnerstags vormittags bei Ihnen putzen oder den Garten pflegen wird, sollte man diesen Zeitraum eintragen. Die Agentur für Arbeit akzeptiert nicht, wenn man das Wort „flexibel“ einträgt. Dies ist die persönliche Erfahrung der Autorin. Der Mindesttariflohn für Reinigungskräfte muss ebenfalls eingehalten werden und beträgt derzeit in unserem Raum 9,90 Euro. 
Asylbewerber, die unter 15 Monaten in Deutschland sind, fallen übrigens unter die sogenannte Vorrangprüfung, diese betrifft auf jeden Fall Flüchtlinge aus "sicheren" Herkunftsländern, wie Mazedonien, Albanien etc. und spezielle Berufsfelder, z. B. Bürohilfen. Ansonsten wird die Prüfung inzwischen aber "wohlwollend" ausfallen.
Den zweiseitigen Antrag senden Sie per Fax, Post oder Mail an die Ausländerbehörde Baden-Baden oder bringen ihn persönlich vorbei. Wer den Antrag abgibt, ist egal. Auch der Flüchtling kann den Antrag bei der Ausländerbehörde abgeben. 

 
Ausländerbehörde
Briegelackerstraße 21
76532 Baden-Baden
Tel.: 07221 93-18 39 oder 93-18 44
Fax.: 07221 93-18 73 
Mail: auslaenderbehoerde@baden-baden.de
Im Vergleich mit andern Städten und Landkreisen, bearbeitet die Ausländerbehörde Baden-Baden Anträge zur Zulassung einer Beschäftigung erfahrungsgemäß in Rekordzeiten. Nach ca. 2 Wochen erhalten Sie in aller Regel eine Rückmeldung und den Bescheid. 
 
2. Schritt: Die Minijobzentrale

Wenn die Beschäftigung genehmigt ist, melden Sie den Arbeitnehmer bei der Minijobzentrale an. Diese kümmert sich dann um den Abzug der pauschalen Steuer von 2 Prozent (bezahlt der Arbeitgeber) und die gesetzliche Unfallversicherung für den Arbeitnehmer (1,8 Prozent des Lohnes, bezahlt ebenfalls der Arbeitgeber).
Wichtig: Die Minijobzentrale hat eine exzellente Homepage, in der Sie alle Informationen finden, die Sie benötigen. Welche Art von Tätigkeit fällt unter haushaltsnahe Dienstleistungen? Wie genau ist der Ablauf? Welche Abgaben fallen für wen an? Steuerliche Erleichterungen? Formulare … und vieles mehr. Hier der Link zur Minijobzentrale => KLICK
Persönliche Meinung der Autorin zum Thema:
Für Menschen, die mit dem Internet vertraut sind, Dateien herunterladen und ausdrucken können, ist die Anmeldung und das Verfahren einfach. 

Für Menschen, die nicht online unterwegs sind, ist es sehr schwer, bzw. unmöglich, das Prozedere eigenständig und korrekt durchzuführen. Man braucht einen PC, Internet und einen Drucker und Mindestkenntnis im Arbeitsrecht und der Terminologie. Solch ein Arbeitgeber benötigt Unterstützung bei der Anmeldung und beim Verfahren. 

 
Die Mitarbeiter der Minijobzentrale sind sehr hilfsbereit, und man erreicht sie unter der folgenden Telefonnummer.
0355 2902-70799
 montags bis freitags 
7:00 bis 17:00 Uhr
 
Hier nun die wichtigsten Schritte, nachdem die Zulassung zur Beschäftigung erteilt wurde. 
 
3. Schritt: Die Anmeldung

Die Anmeldung der Tätigkeit erfolgt im Haushaltsscheck-Verfahren. Hier der Link zu dem Formular, das man online ausfüllen kann => KLICK
Und hier im pdf Format => KLICK
Wenn Sie keine Betriebsnummer haben, wird diese zugeteilt. Flüchtlinge, die noch nie einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgegangen sind haben keine Krankenversicherung und keine Sozialversicherungsnummer. Nach der Anmeldung werden sie zumindest einen Sozialversicherungsnummer erhalten. 

Hier der Link der Minijobzentrale zu der Gruppe der Asylantragsteller.=> KLICK
Die Anmeldung an folgende Adresse senden 

 
Deutsche Rentenversicherung  
Knappschaft-Bahn-See 
Minijob-Zentrale 
45115 Essen

Sie und der Flüchtling erhalten innerhalb der folgenden Tage die Bestätigung über die Anmeldung. Der Flüchtling erhält eine Sozialversicherungsnummer und Sie als Arbeitgeber eine Betriebsnummer, falls Sie eine solche noch nicht hatten. 

Im Anmeldeformular hatten Sie unter Punkt 10 in aller Regel eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beantragt. Sie lassen sich dies von dem Arbeitnehmer mittels einer Unterschrift bestätigen. Hier zum Formular und pdf => KLICK .

4. Schritt: Der Arbeitsvertrag

Sie erstellen einen Arbeitsvertrag mit dem Flüchtling. 

Hier geht’s zum Mustervertrag – pdf

 => KLICK

Wichtig: Auch ein Geringverdiener im Haushalt hat Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Details finden Sie auf der Homepage der Minijobzentrale => KLICK

Schlussendlich müssen Sie den Flüchtling daran erinnern, dass er eine Kopie seines Arbeitsvertrages dem Sozialarbeiter vor Ort gibt. Oder Sie machen das selbst. 

Die Einnahmen des Flüchtlings durch den Minijob werden nun monatlich aufgerechnet gegen die Einnahmen durch das Asylbewerberleistungsgesetzes. Ein alleinstehender Flüchtling darf nur ca. 25 Prozent des zusätzlichen Einkommens für sich behalten!


Die erlaubten Tätigkeiten:

Tätigkeiten, die unter haushaltsnahe Tätigkeiten fallen, sind unter anderem:
  • Begleitung und Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen
  • Botengänge
  • Gartenpflege
  • Gesellschafter
  • Hausarbeit (kochen, putzen, waschen, bügeln)
  • Haustiere versorgen
  • Umzugshilfe
  • Überwachung des Privathaushalts bei Abwesneheit des Bewohners
  • Winterdienst

Den gesamten Katalog finden Sie hier =>  KLICK
 

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5. Schritt: Ihre eigenen Aufwendungen (Steuer)

Wenn das monatliche Entgelt gleichbleibend ist (Feld 13 auf dem Anmeldeformular), wird die Minijobzentrale automatisch in jedem halben Jahr die Steuer (2%) und den Versicherungsbeitrag (1,8%) entsprechend des eingetragenen monatlichen Lohnes abziehen. 


Wenn das monatliche Entgelt für den Flüchtling schwankt (Feld 14 auf dem Anmeldeformular) wird die Minijobzentrale nach einem halben Jahr ein Formular zusenden, in dem Sie dann den ausgezahlten Gesamtbetrag eintragen. Dies ist dann die Grundlage für die Erhebung der 2% Pauschalsteuer und Versicherung.

Der Lohn für den Minijob kann bar ausbezahlt werden oder per Banküberweisung. Wenn Sie die Ausgaben jedoch bei Ihrer Einkommensteuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen möchten, sollten Sie den Lohn mittels Überweisung auf das Konto des Flüchtlings auszahlen.
 
Für Minijobs in Privathaushalten ermäßigt sich die Einkommensteuer auf Antrag um 20 Prozent (max. 510 Euro im Jahr bzw. 42,50 Euro monatlich) der Aufwendungen des Arbeitgebers.

Weitere Informationen hierzu finden Sie auf dieser Seite der Minijobzentrale => 
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