Dienstag, 6. September 2016

WSP Flüchtlingsgarten 2


Ein Mann im Glück 

Kürzlich habe ich über Malick Jagana aus Gambia berichtet, den Bauern vom Waldseeplatz, der überglücklich ist, seitdem er nun dank unbürokratischer Hilfe der Stadtverwaltung an seiner Unterkunft ein kleines Beet bewirtschaften kann. 

Hier geht es zu meinem Blogeintrag über die Aktion => KLICK

Was ihm noch gefehlt hatte, waren ein paar Gießkannen. Und wie das so geht in Baden-Baden: Geschrieben – gespendet! Inzwischen stapeln sich bei ihm 16 Gießkannen, was den Vorteil hat, dass er nun viele seine Mitbewohner animieren kann, gemeinschaftlich an dem Gartenprojekt mitzuarbeiten.

Nun steht er also da und ist stolz, wie alles wächst und gedeiht.



Und da er ein liebenswürdiger, höflicher Mensch ist, war es ihm wichtig, sich zu bedanken.

Hier ist sein herzerwärmender offener Brief an Oberbürgermeisterin Margret Mergen, aber eigentlich auch sein Dank an die ganze Stadt!


Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

Mein Name ist Malick Jagana. Seit März lebe ich auf dem Waldseeplatz. Ich stamme aus einem kleinen Dorf in Gambia namens Dingiri. Mein Großvater hat dieses Dorf vor etwa 100 Jahren gegründet und war der erste Bürgermeister. Später war auch mein Vater Bürgermeister von Dingiri. Ich habe also eine Vorstellung davon, was es heißt, dieses Amt auszuüben. Es bedeutet vor allem viel, viel Arbeit!
Neben diesen Führungsaufgaben war meine Familie seit je her im Acker- und Gemüsebau tätig. Als ich frisch nach Baden-Baden gekommen war, traf ich einige Leute im Café Kontakt und ein Mann fragte mich, was ich denn zuhause gemacht hätte. Ich antwortete: „Ich war Bauer.“ Er fragte mich, ob ich gerne einen Garten oben auf dem Waldseeplatz hätte und ich antwortete „Ja.“
Heute, fünf Monate später, habe ich einen Garten in dem ich Salat, Tomaten, Gurken, Bohnen und Okra angepflanzt habe. Okra ist in Gambia ein sehr wichtiges Gemüse und ich bin sehr glücklich, dass ich bald die ersten Okraschoten ernten kann.
Ich schreibe Ihnen heute diesen Brief, um mich für all die Hilfe zu bedanken, die ich beim Anlegen meines Gartens erfahren habe. Durch die Vermittlung Baden-Badener Arbeiter bekam ich Holzstämme als Umfassung und guten Mutterboden für das Beet. Andere halfen, indem sie mir Samen, Pferdemist, Gartenwerkzeug und viele Töpfe zum Ziehen der Pflanzen beschafften. Als eine Journalistin in der Zeitung über meinen Garten berichtete und erwähnte, dass mir noch eine Gießkanne fehlte, meldeten sich so viele Leute, die mir helfen wollten, dass ich jetzt 16 Gießkannen habe! Die Menschen sind oft hilfsbereit, man muss sie nur fragen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Glück als Oberbürgermeisterin dieser Stadt. Ich habe hier viele nette und hilfsbereite Menschen getroffen. Ich liebe die Natur hier und finde es interessant, wie die Deutschen Häuser an Steilhänge bauen können, ohne dass diese abrutschen!
Wenn Sie irgendwann Zeit finden, kommen Sie bitte auf den Waldseeplatz. Ich werde mich freuen, Ihnen bei einem Besuch meinen Garten zeigen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Malick Jagana



Aufgeschrieben wurde der Brief von William Uber, seinem ehrenamtlichen Betreuer, ins Deutsche übersetzt hat Martina Simonis. Denn Malick ist zwar sehr sprachbegabt und fleißig und hat sich über die ehrenamtlichen Sprachangebote bereits auf A-1-Level hochgearbeitet, aber noch ist nicht sicher, ob er in einen offiziellen A-2-Sprachkurs der Volkshochschule nachrücken kann. Er steht auf der Warteliste, und alle Ehrenamtlichen, die ihn kennen, drücken ihm nun fest die Daumen.

Wenn Sie sich fragen, warum Menschen aus Gambia, Nigeria, Kamerun oder Eritrea fliehen und in Deutschland um Asyl bitten: Am Montag, 26. September, um 19 Uhr, gibt es in der Stadtbibliothek im Rahmen der interkulturellen Woche einen Vortrag von Christian Kühnel von amnesty international zu dem Thema. Eintritt frei.