Samstag, 15. Oktober 2016

Situation junge Flüchtlinge


Gute Zukunfts-Chancen für junge Flüchtlinge


Es ist Sonntag, der 15. März 2015, mitten in der Nacht. Ein Zug aus Frankreich hält in Baden-Baden, der junge K., 16 Jahre alt und aus Marokko, steigt aus und läuft los. Ziellos zunächst. Um die Uhrzeit sind die Straßen Baden-Badens in der Regel menschenleer. Aber er hat Glück: In der Schwarzwaldstraße trifft er einen Passanten und spricht ihn an.
Die Verständigung ist schwierig, denn der junge Mann aus Marokko kann kein einziges deutsches Wort und nur rudimentär Französisch, aber der Passant ist hilfsbereit, und so landet K. kurze Zeit später bei der Polizei und stellt einen Asylantrag.
Gestern präsentierte die Stadtverwaltung den Fall K. als gelungenes Beispiel für Integration, allerdings mit offenem Ende. Aber lesen Sie selbst:
K. wurde daraufhin in Obhut genommen und ins Kinder- und Jugendheim gebracht. Er berichtete dort dem Jugendamt (unter Heranziehung eines Dolmetschers), dass seine Familie unerträglich arm sei, dass seine Eltern krank seien und er mit 15 Jahren die Familie verlassen habe. Über Spanien und Frankreich sei er nach Baden-Baden gekommen.
K. blühte in Baden-Baden regelrecht auf, er wechselte nach zwei Monaten vom Kinder- und Jugendheim in das betreute Wohnen von MOPÄDD (Mobile Pädagogische Dienste).
Obwohl er kein Wort Deutsch sprach, begann K. nur wenige Tage später, noch im März, mit dem Schulbesuch (VAB-O Klasse der Louis-Lepoix-Schule), und eine erstaunliche Erfolgsgeschichte begann: Bereits zum Ende des Schuljahrs 2015/2016 hatte er den Hauptschulabschluss erreicht, zum 1. September 2016 konnte er in eine eigene kleine Wohnung ziehen und nach einem erfolgreichen Praktikum eine Lehre in einem Malerbetrieb beginnen.
Aber leider kommt K. aus einem Land, das als „sicherer Herkunftsstaat“ angesehen wird. Die Folge: Sein Asylantrag wurde abgelehnt. K. ist zwar in die nächste Instanz gegangen, es ist aber zu befürchten, dass er trotz der positiven Entwicklung und der guten Integration Deutschland verlassen muss – soweit die Einschätzung der Stadtverwaltung, aber es kann dennoch zu einem guten Ende kommen, denn seit kurzem wirkt das neue Integrationsgesetz, und nach diesem darf K. auf jeden Fall seine dreijährige Lehre beenden und dann auch noch weitere zwei Jahre in Deutschland bleiben und in seinem Beruf arbeiten. Diese so genannte 3 + 2 - Regel stellte kürzlich Daniel Wunsch, Lehrer an der Louis-Lepoix-Schule, dem ehrenamtlichen Netzwerk Asyl vor. Seine Ausführungen und Informationen, wie man junge Flüchtlinge in Schule und Ausbildung bringen kann, finden Sie hier =>KLICK

Guter Start

Egal, wie nun der konkrete Fall von K. ausgeht - das Beispiel zeigt, welch große Anstrengungen unternommen werden, um unsere Flüchtlingen nach besten Kräften einen guten Start in eine gute Zukunft zu geben.
Nach dem nun vorgelegten Bericht der Verwaltung wurden im Stadtgebiet Baden-Baden bis Ende Juli 108 Flüchtlinge im Kinder- und Jugendlichenalter bis 18 Jahren gezählt; monatlich werden zurzeit zwei Babys geboren, die Zahl wird sich also weiter erhöhen, auch wenn zurzeit keine neuen Flüchtlinge nach Baden-Baden kommen.

29 Kita-Kinder

29 Flüchtlingskinder werden zur Zeit in Kitas betreut, das ist im Vergleich zum Frühjahr eine Verdreifachung. Sieben der Kinder gehen in eine Kita in der Weststadt, der Rest teilt sich auf neun Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet samt Ortsteilen auf.
Hauptaugenmerk in den Kitas liegt natürlich in der Sprachförderung, und man hat bereits festgestellt, dass die Kinder aus Flüchtlingsfamilien stark motiviert sind und in relativ kurzer Zeit „ein gutes Sprachverständnis“ aufbauen. Wichtig ist ein Kita-Besuch gerade für diese Kinder, um neben der Sprache auch Chancengleichheit zu bekommen und möglichen Traumata durch die Flucht entgegenzuwirken.



158 Schüler/innen

158 Flüchtlingskinder gehen in Baden-Baden zur Schule, die meisten von ihnen werden in der Louis-Lepoix-Schule unterrichtet. 18 Prozent der Schüler/innen stammen aus Syrien, 17 Prozent aus Gambia, je 12 Prozent aus Afghanistan und Irak und zehn Prozent aus Eritrea. Sie erhalten verschiedene Unterstützungsangebote, auch die Caritas sucht im Augenblick Ehrenamtliche, die bei den Hausaufgaben helfen wollen. (Besonderer Unterstützungsbedarf besteht dienstags, mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 16.00 Uhr während der Schulzeit. Interessierte Ehrenamtliche, die sich eine Mitarbeit an ein bis zwei Terminen vorstellen können, sollten Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben und bereit sein, längerfristig mitzuarbeiten. Weitere Informationen über Franziska Schmude Tel. 07221/183516.)

Religion und Schwimmen heikel

Heikle Punkte im Schulbesuch der Flüchtlingskinder sind der Religions- und der Sportunterricht. In der Regel wird ihnen parallel zum evangelischen und katholischen ein „Förderunterricht“ für Sprache oder soziales Lernen angeboten, ab Klasse 8 müssen alle Kinder, die nicht am konfessionellen Unterricht teilnehmen, das Fach Ethik besuchen. Ab diesem Schuljahr wird an der Theodor-Heuss-Schule ein islamischer Religionsunterricht angeboten, der von einer regulär ausgebildeten Lehrkraft mit Zusatzqualifikation abgehalten wird.
Im Sportunterricht gibt es ebenfalls eine Ausnahme: Muslimische Schülerinnen können in den Vorbereitungsklassen alternativ zum Schwimmunterricht Sprache lernen, ab der Regelklasse allerdings ist Sportunterricht dann für alle verpflichtend. 
 
Neue Projekte an beruflichen Schulen

1.) Handwerk und Gaststätten
Die beiden beruflichen Schulen (Robert-Schumann- Schuke und Louis-Lepoix-SChule) haben zusammen mit dem örtlichen handwerk bzw. dem örtlichen Hotel- und Gaststättenverband für 36 Flüchtlinge in zwei Klassen ein einjähirges duales Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf eingerichtet. An dessen Ende können die Schüler dn hauptschulabschluss erwerben und erhalten einen Ausbildungsplatz. Die Firma Bosch hat für diese Schüler/innen Patenschaften angeboten, wobei sich Mitarbeiter bei Bedarf direkt um einzelne Schüler kümmern.
Da nichts ohne Sprache möglich ist, erhalten die Schüler außerdem dank einer großzügigen Spende von Bosch rimavera einen zusätzlichen schulbegleitenden Deutschunterricht, der von der VHS erteilt wird. 
 
2.) Altenpfleger
Ab kommendem Schuljahr bietet die Robert-Schumann-Schule darüberhinaus den dreijährigen Bildungsgang „Ausbildung zum Altenpfleger mit intensiver Deutschförderung“ an.