Dienstag, 20. Dezember 2016

Arbeit 12/2016


Sprache, Sprache, Sprache – dann klappt die Integration


Knapp tausend Flüchtlinge leben Ende 2016 in Baden-Baden, 48 von ihnen arbeiten bereits Vollzeit und benötigen keinerlei finanzielle Unterstützung mehr. 262 Flüchtlinge sind mittlerweile anerkannt worden und in die Zuständigkeit des Jobcenters gewechselt, 626 erhalten mehr oder weniger Unterstützung aus dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Diese Zahlen wurden gestern dem Gemeinderat in seiner Jahresabschlusssitzung vorgelegt.

Weitere 91, so hieß es, verdienen sich in Teilzeit, Minijob etwas hinzu oder sind in Ausbildung, hundert sind in so genannten Arbeitsgelegenheiten (früher Ein-Euro-Jobs – heute gekürzt auf 80 Cent die Stunde) untergebracht, in der Regel Tätigkeiten in den Unterkünften. Diese Maßnahmen werden zwar vom Bund finanziert, laufen allerdings nach 15 Monaten Aufenthalt aus, so dass ein Ende abzusehen ist. 


 

Akademische Abschlüsse hat nur ein verschwindend geringer Teil der Flüchtlinge in Baden-Baden, die meisten haben in der Heimat Gelegenheitsjobs ausgeübt oder waren Schneider, Maler, Elektrohandwerker, in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft beschäftigt. Entsprechend haben einige bereits Jobs, vor allem im Gastronomiebereich, doch kämpften die meisten auch heute noch mit den Gepflogenheiten in der Arbeitswelt, mit mangelhafter Arbeitsgeschwindigkeit und – vor allem – mit nicht ausreichenden Sprachkenntnissen.

Die Betriebe fordern inzwischen einen hohen Sprachlevel von den Flüchtlingen, A2 oder noch besser B1. Nur dann haben die Menschen Aussicht auf langfristige Beschäftigung. Und so appelliert Oberbürgermeisterin Margret Mergen auch an mögliche Sponsoren, weitere Sprachkurse zu finanzieren, für die der Bund leider die Kosten nicht übernimmt.

Die Agentur für Arbeit, die für Asylbewerber (bis Entscheidung über den Asylantrag) und Geduldete (Antrag abgelehnt, aber Abschiebehindernisse) zuständig ist, kümmert sich zurzeit intensiv um die Berufsberatung für Jugendliche. 220 Schüler in 14 Vorbereitungsklassen gehören beispielsweise dazu. Von den 163 Kunden in Arbeitsvermittlung wurden 69 bereits in sozialversicherungspflichtige Jobs – vor allem im Bereich Metall, Gastronomie und Lagerarbeit vermittelt, andere Flüchtlinge befinden sich in Überbrückungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, in denen sie mittels Praktika auf eine Arbeit vorbereitet werden.

Das Jobcenter, das für die anerkannten Flüchtlinge zuständig ist, zählt derzeit 262 Kunden, Tendenz steigernd. 94 von ihnen befinden sich derzeit in Integrationskursen, 15 warten auf einen solchen Kurs, 40 nehmen an einer Qualifikationsmaßnahme teil, in der Sprache und berufliche Fortbildung gleichermaßen auf dem Programm stehen. 41 Personen arbeiten zwar (450-Euro-Jobs), verdienen aber noch nicht genug, um auf eigenen Füßen stehen zu können.

Knapp 90 Prozent stehen übrigens ohne Ausbildung und Studium da (hier fehlen manchmal die entsprechenden Nachweise), und 88 Prozent von ihnen kämpfen immer noch mit zu geringen Sprachkenntnissen.

Um im neuen Jahr mehr Menschen in Lohn und Arbeit zu bringen, plant das Jobcenter viele Maßnahmen, von Lohnkostenzuschüssen bis hin zu Praktika und speziellen Maßnahmen für Frauen.

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