Samstag, 28. Oktober 2017

Stadtbibliothek


Run auf die Lernstationen:
Vor dem Start ausgebucht

Was für ein toller Erfolg! Die Stadtbibliothek bietet 20 Lernstationen für Deutschkurse an, und am Tag, als das Projekt starten und der Presse vorgestellt werden soll, sind bereits alle Plätze belegt. Das zeigt, wie wichtig und überfällig dieses jüngste Projekt der Stadtbibliothek ist. 
 
Die Leiterin der Stadtbibliothek, Sigrid Münch, erläuterte gestern, dass man sich für dieses Projekt beim Kultusministerium und deutschen Bibliotheksverband erfolgreich beworben hatte und nun vier Laptops als Lernstationen gesponsert bekommen hat. Dazu gab es 20 Lizenzschlüssel für Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ des preisgekrönten Anbieters LinguaTV.




Damit können Flüchtlinge, beziehungsweise vor allem nicht anerkannte Asylbewerber aus Ländern, die keine hohe Bleibeperspektive haben und daher aus den normalen VHS-Sprachkursen weitgehend ausgeschlossen sind, in Eigenregie parallel zu den ehrenamtlichen Sprachkursen lernen. Aber auch Interessierte, die in VHS-Kursen sind, können damit natürlich ihr Wissen vertiefen. 

Der Schlüssel gilt für drei Monate und zwei Kurse, man kann von der Anfängerstufe bis hin zu einem Deutschlevel, der für die Aufnahme an Universitäten ausreicht, sein Sprachniveau verbessern. Es gibt hierzu auch eine Lernkontrolle. Hat man 70 Prozent des Kurspensums geschafft, kann man eigenständig einen Test absolvieren und sich ein Zertifikat ausdrucken, das den Wissensstand belegt. 

Dies ist war kein anerkanntes Zertifikat wie das, welches man an den Volkshochschulen erlangen kann, aber man kann es zu seinen Unterlagen nehmen und möglichen Arbeitgebern vorweisen. Außerdem sollte man in der Lage sein, an der Volkshochschule einen passenden offiziellen Sprachtest zu absolvieren und dann ein anerkanntes Zertifikat zu erhalten. (Dafür allerdings fallen nicht unerhebliche Kosten an.)




Einige der Glücklichen, die über ihre Sprachlehrer auf dieses neue Angebot der Stadtbibliothek aufmerksam gemacht wurden, erschienen gestern zum Pressetermin und ließen sich gleich in das Computerprogramm einweisen. Das war in mehreren Sprachen möglich.

Die Teillnehmer können nun entweder regelmäßig in der Stadtbibliothek eine der vier Lernstationen nutzen, oder sich, falls vorhanden, zuhause mit dem Passwort vom eigenen PC aus in das Programm einloggen. Auch eine App fürs Smartphone kann heruntergeladen werden. Noch geklärt werden muss allerdings, wie sie die Materialien auch ausdrucken können. 
 
Eine der Sprachkurslehrerinnen an der VHS, Petra Smulders, hatte sich das Programm vorab angesehen und eine umfassende Einschätzung verfasst.

Sie beurteilte es als effizient und praxisnah:

"Im Mittelpunkt stehen professionell produzierte Trainingsvideos, die in authentischen Gesprächs- situationen zeigen, wie Muttersprachler die jeweilige Sprache anwenden. Die Zuschauer lernen so durch realistische Dialoge vor allem praxisrelevantes Vokabular und die korrekte Aussprache. Dabei zeigt ein Video auch besondere kulturelle Merkmale der Kommunikation und erklärt komplizierte Sachverhalte wie Grammatik sehr viel einfacher. Zudem spricht ein Film beim Zuschauer mehrere Wahrnehmungssinne an und hinterlässt einen stärkeren Eindruck als textbasiertes Lehrmaterial. All dies wirkt sich positiv auf die Motivation und den Lernerfolg aus."

Die interaktiven Übungen seien kinderleicht, schnell und einfach zu bedienen. Das Programm sei außerdem auch sehr brauchbar zur Unterstützung und Wiederholung der normalen VHS-Kurse, auch die Videos eigneten sich gut dafür.

Es gibt nicht nur praxisnahe Videos, sondern auch die Möglichkeit, Business-Deutsch, Betonung und Grammatik zu pauken. Bevor man sich für einen Kurs entscheidet, kann man sich selber testen, auf welchem Niveau man aktuell steht und welchen Kurs man wählen sollte. Die einzelnen Lektionen lassen sich zwar auch probehalber testen, aber die Lizenzschlüssel gelten nur für drei Monate und zwei Kurse. Wie und ob es danach weitergeht, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Für Fragen und eine umfassende Einweisung stehen die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek jederzeit zu den Öffnungszeiten zur Verfügung, allen voran Sylvia Meermann und Sabine Herzberg. 

Freuen sich mit den Teilnehmern: (Stehend:) Sabine Herzberg (links), Sigrid Münch (2. v. links) und Sylvia Meermann (4. v. links) von der Stadtbibibliothek, Klaus Pistorius vom Netzwerk Asyl und Flüchtlingshelferin Cornelia Hartmann

Wer nun leer ausging, der muss sich nicht grämen. Denn Lingua-TV steht auch "normalen" Bibliotheksnutzern mit Mitgliedsausweis (Jahresgebühr 22 Euro) offen: Mit der Mitgliedsnummer und dem Geburtsdatum kann man sich an sechs weiteren Internet-PCs der Stadtbibliothek einloggen und 120 Minuten das Internet nutzen und dann sogar bis zu drei dieser Kurse auswählen.




Aber zurück auf Start! Die, die einen Lizenzschlüssel erhalten hatten, Zeit hatten (also nicht in der Arbeit oder einem Sprachkurs waren) und sich zum Termin pünktlich einfanden, waren fürs erste alle froh und glücklich über diese Möglichkeit des Deutschlernens! Eine junge Frau aus Ruanda verriet freudestrahlend, sie habe zwei kleine Kinder und könne deswegen nicht an normalen Sprachkursen teilnehmen. Ihr Ältester gehe zwar schon in den Kindergarten und bringe auf diese Weise Deutschkenntnisse mit nach Hause, dies aber eher in Form von Gesang. „Oh Tannenbaum“ könne sie schon, aber das sei nicht immer sehr hilfreich...