Freitag, 29. Dezember 2017

Aktivbrücke


In eigener Sache:

Integrationsarbeit steht erst am Anfang
Spendengelder werden weiter gebraucht



Kürzlich hat der Verein Aktivbrücke seine Auflösung bekanntgegeben. Hier der Bericht im Badischen Tagblatt dazu vom 12. Dezember 2017:




Auf Nachfrage, was mit den Spendengeldern (über 20 000 Euro sind noch übrig, plus ein Fahrzeug - dem Vernehmen nach ein Bus) passiert, erhielt BT-Redakteur Harald Holzmann folgende Auskunft (Badisches Tagblatt vom 27. Dezember 2017):




Hierzu stellt das Netzwerk Asyl folgendes klar:

 Presseerklärung des Netzwerk Asyl zur Flüchtlingsarbeit

Im Jahr 2017 haben sich über 300 Menschen unter dem Dach des Netzwerk Asyl mit geschätzten 50.000 Stunden ehrenamtlich geleisteter Arbeit in der Flüchtlingshilfe engagiert. Für dieses Engagement ist das Netzwerk Asyl vor kurzem mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Dieser Einsatz ist auch weiterhin notwendig zum Wohle der Geflüchteten aber auch zum Wohle unserer Stadt!
Deshalb muss der vor kurzem erschienene Artikel über die Auflösung des Vereins Aktiv Brücke als unzutreffend und irreführend beurteilt werden. Es wird der Anschein erweckt, dass ehrenamtliches Engagement in Baden-Baden überflüssig geworden wäre. Überrascht ist das Netzwerk Asyl über diese Bewertung insbesondere, als die Aktiv Brücke bis zum dritten Quartal 2017 am Runden Tisch Asyl der Stadt Baden-Baden teilgenommen hat und um die aktuelle Situation und den Bedarf an Unterstützung genauestens informiert war.
Das Netzwerk Asyl sieht weiter einen großen Bedarf an Unterstützung, um Integration erst möglich zu machen. Viele Geflüchteten leben bereits einige Zeit hier. Damit individualisiert sich der Unterstützungsbedarf: Gerade Personen, die auf dem Weg zu Ausbildung, Arbeit, Studium etc. sind benötigen intensive Unterstützung um die diversen bürokratischen Hürden meistern zu können. Wohnungssuche ist ohne Unterstützung Deutscher kaum möglich. Die Betreuung laufender Asylverfahren oder Ablehnungsverfahren beschäftigt den AK Asyl bspw. mehr denn je. Gezielte Sprachförderung durch Ehrenamtliche findet nach wie vor statt, oft in Kleinstgruppen oder ganz individuell bezogen auf die jeweilige Lebenssituation, zusätzlich zu VHS-Kursen. Begleitung zum Arzt oder ins Krankenhaus ist ebenfalls eine wichtige Unterstützungsleistung durch Ehrenamtliche. Die Liste lässt sich nahezu beliebig weiter fortsetzen.
Insbesondere die Gruppe der Personen, die aus welchem Grund auch immer, keinen Zugang zu Gesellschaft und Arbeitsmarkt haben, hat massive Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb. So auch diejenigen, die aufgrund vorliegender Abschiebebescheide, die nicht durchgeführt werden können, in Resignation versinken. Hier liegt ein hochbrisanter und dringend notwendiger Bedarf an Integrationsunterstützung vor. All diese Menschen brauchen verlässliche und kompetente Ansprechpartner*innen vor Ort, die ihnen in diesen schwierigen Situationen Orientierung und Hilfe anbieten.
Dafür sind die ehrenamtlichen Unterstützerkreise in den Flüchtlingsunterkünften äußerst hilfreich – auch in der Vermittlung deutscher Kulturgüter. Die Ehrenamtlichen des Patenschaftsprojektes der Caritas suchen weitere Hilfe, um die individuelle Betreuung z.B. bei der Familienzusammenführung zu ermöglichen oder den Weg der Kinder in Kindergarten und Schule zu bereiten. Gerade diese persönlichen Beziehungen sind für eine erfolgreiche Integration in und Identifikation mit Deutschland von entscheidender Bedeutung. Dafür braucht es eine vertrauensvolle Beziehung, die sich durch persönliche Begegnungen erst langsam entwickelt.
 
In dieser Situation den Anschein zu erwecken, es sei alles in „trockenen Tüchern“ ist eine fahrlässige Verzerrung der Wirklichkeit.
Der Verein Aktiv Brücke hat mit seiner Auflösung ein Vereinsvermögen von ca. 22.000 Euro sowie ein Vereinsfahrzeug der Kampfkunst Akademie übereignet, „weil es nichts mehr zu tun gibt“ (Zitat Aktiv Brücke). Dem ist in keiner Weise so!
Die Ehrenamtlichen des Netzwerk Asyl sehen in der täglichen Betreuung immer wieder den dringlichen Bedarf auch an finanzieller Unterstützung. So suchen die Bike Docs bspw. händeringend nach Material oder Spenden. Die W-Lan-Ausstattung der Unterkünfte ist mangelhaft und nur über das W-Lan besteht der wichtige Kontakt zur Familie im Herkunftsland. Ein VHS-Kurs für Mütter mit Kindern wäre wichtig. Familienbetreuung und –förderung bräuchten Mittel, ein Musikprojekt sucht nach finanzieller Unterstützung, auch hier ließe sich eine Bedarfsliste beliebig erweitern. Insofern bedauert das Netzwerk Asyl, dass die Mittel nicht z.B. der Caritas oder der Diakonie mit der Zweckbindung der Flüchtlingsarbeit übergeben werden, sondern einem Kampfkunst Verein, dessen Vorsitzender auch der Vorsitzende der Aktiv Brücke ist. Dem Netzwerk Asyl sind einige Spender bekannt, die über die Höhe der Restmittel und deren Weiterleitung an die Kampfkunst Akademie zumindest irritiert sind. Für die Flüchtlingshilfe wäre es fatal, wenn Sponsoren und Spender den Eindruck bekommen sollten, ihre finanziellen Zuwendungen seinen nicht mehr gefragt!        
Die Stadt hat ihre Flüchtlingssozialarbeit weiter ausgebaut, was aber das ehrenamtliche Engagement in keiner Weise ersetzt, sondern beides bedingt sich gegenseitig. Ziel der Flüchtlingshilfe ist eine zielgerichtete Unterstützung für eine gelingende Integration aller Geflüchteten in Baden-Baden, daran arbeitet das Netzwerk Asyl auch 2018.



Siehe hierzu auch Bericht im Badischen Tagblatt vom 29. Dezember 2017:



Auf Facebook gibt es derzeit eine lebhafte Diskussion über den Vorfall. "Das stinkt sehr", heißt es da beispielsweise. Das möge vielleicht juristisch alles richtig sein, moralisch sei es jedoch bedenklich. Auch ehemalige Vorstandsmitglieder der Aktivbrücke melden sich hier zu Wort und fordern öffentlich Aufklärung. Sie machen sich vor allem Gedanken darüber, dass die Spenden zweckgebunden für die Flüchtlingshilfe gesammelt wurden und nun, nach einer überraschenden Satzungsänderung im Sommer diesen Jahres, an einen Kampfsportverein (mit gleichem Vorsitzenden wie bei Aktivbrücke) gehen sollen.