Freitag, 2. Februar 2018

Jobcenter 2017


Sorge um die Langzeitarbeitlosen und
Freude über motivierte Flüchtlinge

Allen Grund zur Freude hatten der Leiter des Jobcenters Baden-Baden, Gerald Maisberger und Bürgermeister Roland Kaiser gestern, als sie der Presse die Jahresbilanz des Jobcenters für 2017 präsentierten.




Konjunktur robust, Wirtschaft brummt, gerade auch in den Bereichen Lager und Logistik, Personaldienstleistung, Gastgewerbe, Handel und im verarbeitenden Gewerbe – was will man mehr als Verantwortlicher für die Arbeitslosenzahlen. Die Quote liegt bei 3,1 Prozent (das waren 870 Personen), die Langzeitarbeitslosigkeit ist im letzten Jahr um knapp 14 Prozent zurückgegangen. 562 Personen wurden in Arbeit vermittelt, die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen hat sich im Stadtgebiet Baden-Baden binnen eines Jahres um 17,5 Prozent verringert. 
 
Dennoch kein Grund zum Ausruhen, denn insgesamt hängen heute – zusammen mit ihren Familienangehörigen, immer noch 2 852 Menschen am Tropf des Jobcenters.

Grund zur Freude gibt es aber beim Thema Flüchtlinge. 81 von ihnen haben im letzten Jahr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Insgesamt betreut das Jobcenter zurzeit 400 Flüchtlinge (inklusive Kinder). 260 wurden als „erwerbsfähig“ eingestuft, 180 sind derzeit in Sprach- und Integrationskursen. Vor allem die Syrer zeigten sich hoch motiviert, Sprache und Bildung zu verbessern, um gute Chancen am Arbeitsmarkt zu bekommen. Die Integrationsquote in Arbeit liegt bei 29 Prozent, und damit zählt Baden-Baden zu den TOP 40 im Bundesgebiet.

Maisberger und Kaiser machten keinen Hehl daraus, dass dies nicht allein dem Jobcenter geschuldet ist, sondern neben all der Arbeit des Hauptamts auch auf die emsigen ehrenamtlichen Helfer zurückzuführen ist. Gerade sie seien wichtige Brückenbauer zu den Betrieben. 


 

Das Jobcenter ist in Sachen Flucht und Asyl ebenfalls gut aufgestellt. Nachdem bisher Thomas Klehr als Arbeitsvermittler  speziell für diese Personengruppe zuständig war (krankheitsbedingt fiel der zweite Kollege langfristig aus), und diese dann auf rund 400 anschwoll, wurde das Jobcenter vor kurzem umstrukturiert, um ihn zu entlasten. Ab sofort ist jeder Mitarbeiter – rein nach Buchstaben – auch für die Flüchtlinge zuständig.

Zusätzlich wurde eine neue Stelle geschaffen: Britta Händel wurde zwischenzeitlich zur „interkulturellen Botschafterin“ ausgebildet. Sie soll die Mitarbeiter unterstützen, ihnen bei der Qualifikation helfen, aber auch das Ehrenamt schulen, soweit dies gebraucht wird. „Netzwerken zwischen Arbeitgebern und Ehrenamt“ umschrieb Maisberger ihre Aufgabe.

Bürgermeister Kaiser lobte mit Blick auf die gute Integrationsquote der Flüchtlinge im Stadtgebiet auch die außergewöhnliche Spendenbereitschaft, die es so wohl nur hier in Baden-Baden gibt und die vor allem eine intensive Sprachförderung schon während des Asylverfahrens möglich gemacht habe. Das gebe es in anderen Städten nicht.

So kehrt offenbar auf diesem Gebiet Ruhe ein. Die Integration der Menschen mit dem Hintergrund Flucht und Asyl steht zwar noch unter den Herausforderungen für 2018, allerdings an letzter Stelle. Vorrangiger brennt den Verantwortlichen die Reduzierung der Zahlen bei den Langzeitarbeitslosen auf den Nägeln. Dies sei ein mühsamer Weg, der nur über Beratung, Beratung und noch mal Beratung führe. Ein spezieller Finanzierungstopf wurde für die Förderung schwer erreichbarerer junger Menschen aufgetan, um diese kümmert sich ab sofort auch die Caritas mit einem speziellen Programm.

Gleichwohl müssten auch ältere Langzeitarbeitslose (jeder der mehr als ein Jahr arbeitslos ist, zählt zur Personengruppe der Langzeitarbeitslosen) aus prekären Lebensverhältnissen zurück ins Sozialleben geholt werden. Deren bisherige Lebensstrukturen müssten aufgebrochen werden, sie sollen wieder lernen, regelmäßig zu arbeiten und damit ihren Kindern ein Vorbild sein. Dies war vor allem Bürgermeister Kaiser wichtig.

Bei den jungen Langzeitarbeitslosen setzt man verstärkt auf die Kooperation mit den beruflichen Schulen und deren Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen. Hier werde – gerade im Bereich Hotels und Gaststätten, und hier besonders bei den Köchen - schon jetzt in Baden-Baden Außergewöhnliches geleistet. Aber der Übergang zwischen Schule und Arbeit müsse auch durch staatliche Anreize noch verbessert werden.

Wichtig sei dem Jobcenter, die Arbeitssuchenden nach Kräften zu unterstützen, sei es mit Briefmarken für die Bewerbungsschreiben bis hin zu Bewerberseminaren, der Finanzierung von Praktikumsplätzen und auch zweijähriger Qualifizierungsmaßnahmen zur Umschulung. 735 Kunden wurden so allein im vergangenen Jahr auf diese Weise erfolgreich unterstützt.

Trotz all der guten Nachrichten – die Langzeitarbeitslosigkeit ist und bleibt zentrales Thema in Baden-Baden. Mit 49,8 Prozent liegt der Anteil im Stadtgebiet weit über dem Landesdurchschnitt (45,3 Prozent). Und eine Sorge treibt die Verantwortlichen hier besonders um: Schaffen diese Menschen den Absprung nicht, gleiten sie irgendwann nahtlos in die Altersarmut, wenn ihnen dann die Rente nicht zum Leben reiche und sie Sozialhilfe beantragen müssten.