Sonntag, 4. Februar 2018

Langreder


Arbeitsintegrator zieht nach zwei Jahren Resümee:
Mit Unterstützung ist es für die Flüchtlinge leichter


Seine Bilanz kann sich sehen lassen. An die 220 Arbeitsverträge plus 30 Ausbildungsplätze hat Stephan Langreder binnen zwei Jahren als Arbeitsprofiler für Flüchtlinge vermittelt. Nach zwei aufregenden und spannenden Jahren endet nun zum 21. Februar seine von vornherein befristete Beschäftigung.


 

Der Baden-Badener Geschäftsmann Karlheinz Kögel hatte die Schaffung dieser Stelle 2016 bei der Stadtverwaltung angestoßen und auch für zwei Jahre finanziert. 




Hauptsächlich kümmerte sich Langreder um geflüchtete Menschen mit geringer Bleibeperspektive, also solche, die (noch) keine Anerkennung als Flüchtling erhalten haben und die mit einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung in den städtischen Unterkünften leben.

Ein schwieriges Klientel, aber der 57jährige kann mit seinem Wirken zufrieden sein: „Es hat Spaß gemacht, vielen Menschen zu helfen und freundliche und engagierte ehrenamtliche Helfer kennenzulernen. Das war eine tolle Erfahrung“, resümiert er. Gleichwohl sieht er seine Bemühungen nicht unkritisch: „Erfolgreich waren vor allem die Flüchtlinge, um die sich Freiwillige intensiv gekümmert haben“, hat er festgestellt. Wer keinen großen Rückhalt hat und alleine ohne moralische Festigung in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt, den packen oft Selbstzweifel oder Schwermut. Diese Menschen schmeißen ihren Job öfter hin, und besonders bitter sei das, wenn die Selbstzweifel dermaßen überwiegen, dass auch eine Ausbildungsstelle abgebrochen wird, weil man bei einem Job – womöglich noch in einer Zeitarbeitsfirma – kurzfristig mehr Geld verdienen kann. „Das lässt mich schon nachdenklich werden“, seufzt Langreder, der unter anderem auch manchmal mit unverständlichen Anweisungen bzw. Verboten des Regierungspräsidiums bezüglich Ausbildungsduldung für Flüchtlinge gerade auch aus Gambia hadert. Gut hingegen sei die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde vor Ort, hier seien sehr engagierte Mitarbeiter am Werk, betont er.

Wie geht es nun weiter?
Die Sozialarbeiter sollen - seines Wissens nach - seine Aufgabe künftig übernehmen und können mittels Leseberechtigung auch Einblick in seine mühevoll aufgebaute Kundendatei nehmen. Das Netzwerk Arbeit, das er ins Leben gerufen und betreut hat, wird unter der Leitung von Rebecca Rastetter fortgeführt und derzeit neu formiert. 
 
Und er? Ist nun in eigener Sache auf Jobsuche. Aber er bleibt den Flüchtlingen in Baden-Baden natürlich auch weiterhin erhalten, dann allerdings nicht als mehr Anlaufstelle, wenn es mit dem Job mal nicht so klappt, sondern ganz handfest, wenn es an Bremsen oder Beleuchtung hapert: Denn Stephan Langreder arbeitet auch weiterhin mit Herzblut ehrenamtlich als Bike-Doc, und zwar jeden Montagabend in der Unterkunft in der Westlichen Industriestraße. 

Und wer weiß... am Donnerstag ließ Bürgermeister Roland Kaiser am Rande einer Pressekonferenz durchblicken, dass alles noch ein bisschen in der Schwebe ist und die Stadtverwaltung sich bemüht, die Stelle doch noch mit einer erneuten Finanzspritze weiterzuführen... 

Hier geht es zum Portrait über Stephan Langreder aus dem Jahr 2016 auf diesem Blog => KLICK