Für Einsteiger


Herzlich willkommen!


Sie wollen sich in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe engagieren, wissen aber noch nicht genau, wo und wie? Dann sind Sie hier richtig. 

Das ehrenamtliche Netzwerk Asyl hat ein Leitbild Ehrenamt erarbeitet. Näheres dazu lesen Sie bitte hier => KLICK


12 Ratschläge für Einsteiger


Herzlich willkommen!

Sie haben sich entschlossen, den Asylbewerbern zu helfen, den Start in unserer Stadt Baden-Baden und in ein Leben in unserer Kultur zu erleichtern, beziehungsweise Sie überlegen noch, ob und wie Sie sich einbringen möchten.

So erfülllend und befriedigen dieses Engagement sein kann - einfach ist es nicht. Darüber sollte sich jeder klarwerden, der sich für diese Arbeit meldet. Nicht ist frustrierender, als nach Jahren irgendwann ausgebrannt aufgeben zu müssen, weil man von Anbeginn an mit falschen Voraussetzungen begonnen habe. 

Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit maßgeblich in der Flüchtlingshilfe erfahrenen Fachleuten einen kleinen Ratgeber zusammengestellt, der Ihnen helfen soll, sich über Ihre Ziele und auch über die möglichen Anforderungen, die auf Sie zukommen könnten, klar zu werden.


Ratschlag Nummer 1

Werden Sie sich über Ihre Motive klar: Weshalb wollen Sie sich gerade auf diesem Gebiet engagieren?

Bedenklich wäre zum Beispiel eine Antwort wie "Ich möchte fremde Kulturen erforschen", denn was die Ehrenamtlichen erwartet, ist die manchmal harte Arbeit mit traumatisierten Menschen, die keine Heimat mehr haben, Überlebende von Massakern, die die Geister der Ereignisse nicht mehr loswerden, Menschen, die Angst davor haben, abgeschoben und wieder in das Grauen zurückgeschickt zu werden...


Ratschlag Nummer 2:
 
Fragen Sie sich, inwieweit der Flüchtling an der Hilfs-Initiative selbst teilnehmen kann.

Die meisten, die es auf langen, gefährlichen Wegen hierher geschafft haben, sind "Macher", die für ihren Fluchtweg sehr viel Mut, Kraft und Power aufbringen mussten. Sie haben alles verlassen, alles verloren und wissen nicht, wo sie landen. Sie sind Pioniere. Diese Menschen möchten nicht bevormundet werden. Manche Ehrenamtliche neigen dazu, ihnen weniger zuzutrauen, als sie tatsächlich selber zu tun vermögen.
Andere wiederum lassen sich gern bemuttern, klammern sich an jeden Strohhalm - nur ist es dann für die Ehrenamtlichen schwer, sich von der Mama-Rolle nicht auffressen zu lassen.


Ratschlag Nummer 3:

Achten Sie auf nonverbale Zeichen, die Sie aussenden

Oft werden unbewusst die falschen nonverbalen Signale ausgesandt, die dann völlig falsch verstanden werden. Das Nonverbale ist hierzulande schon lange verloren gegangen, in anderen Kulturen aber spielt es eine wichtige Rolle in der Kommunikation.


Ratschlag Nummer 4:
 
Seien Sie (vor allem als Frau Männern gegenüber) zurückhaltend.

Nicht in jeder Kultur ist es zum Beispiel üblich, sich die Hand zu geben. Warten Sie lieber ab, ob Ihnen die Hand angeboten wird. Wenn Frauen zu fest zupacken, können sie ihr Gegenüber erschrecken. In vielen Kulturen wird von Frauen ein weicher Händedruck erwartet.

Wer aus europäischer Sicht "normal" handelt, kann eventuell jemanden anderen ungewollt kränken.


Ratschlag Nummer 5:
 
Vermeiden Sie den Gedanken "Das ist MEIN Flüchtling".

Lässt man sich auffressen, wird einem die Rechnung schnell präsentiert:  "Man kommt in ein Wohnheim, und alle stürzen sich auf einen, mit Briefen, mit Problemen. Man versucht zu helfen, aber dann merkt man, dass man alleine nichts gegen das Elend tun kann. Dann hat man schnell das Gefühl, gescheitert zu sein."

Dem ist aber nicht so. Denn:


Ratschlag Nummer 6:

Stimmem Sie sich mit den Profis und untereinander ab.

Oft ist das Elend nicht so groß, wie es scheint. Oft ist bereits ein Sozialarbeiter oder ein anderer Ehrenamtlicher, der für ein spezielles Problem besser geschult ist, ebenfalls in die Sache involviert, ohne dass der Asylbewerber dies mitteilt. "Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht ALLES tun können."
Oft nervt es die Behörden auch, wenn unterschiedliche Helfer zu ein- und demselben Fall anrufen und Lösungen einfordern.


Ratschlag Nummer 7:
 
Manche Betroffene wollen keine Hilfe oder verstehen Ihr Anliegen nicht.

Manche Asylbewerber kommen aus Kulturen, die ein anderes Verhältnis zur Macht haben als die westliche Welt. Deutschen Politikern ist es wichtig, mit den Leuten auf der Straße auf Augenhöhe zu agieren. In vielen anderen Ländern müssen Politiker aber Macht haben und diese auch - zum Beispiel durch Symbole - zeigen. Für Menschen aus diesen Kulturkreisen haben Ehrenamtliche, die mit ihnen auf Augenhöhe verkehren wollen, keine Macht. Ergo denken sie, diese Menschen können ihnen nicht helfen. Im Gegenteil, manche finden es peinlich, wenn sich Menschen so weit zu ihnen herab begeben. In anderen Ländern tun dies nur Menschen, die sonst nichts weiter im Leben erreicht haben.


Ratschlag Nummer 8:

Sie können die Welt nicht retten.

Aber es gibt kleine Dinge, die viel bewirken können.

Selbst zum Beispiel einer Roma-Familie aus Mazedonien, die schon bald wieder abgeschoben wird, kann man mit kleinen Dingen weiterhelfen. Wenn Ehrenamtliche diesen Menschen einfach nur während dieser Wochen helfen, rechnen oder schreiben oder etwas Deutsch zu lernen, dann könnte es durchaus sein, dass sie mit diesen neu erlernten Fähigkeiten aus eigener Kraft im Heimatland weiterkommen.


Ratschlag Nummer 9:
 
Seien Sie einfühlsam.

Fragen Sie die Flüchtlinge nicht schon bei den ersten Treffen nach ihren traumatischen Erlebnissen. Fragen wie "Was mögen Sie an Ihrem Kind?" oder "Wie war Ihre Hochzeit?" hilft Traumatisierten aber, sich an schöne Dinge zu erinnern, die sie oft vergessen haben.


Ratschlag Nummer 10:

Bereiten Sie sich auf den Umgang mit traumatisierten Menschen vor


In Watte packen sollte man die Asylbewerber jedoch nicht vollends. Denn spätestens im Asylverfahren bei den Anhörungen muss ein Asylbewerber offen über seinen Fluchtweg, aber auch über seine Fluchtgründe sprechen, bis hin zu Details, ob und wie er gefoltert wurde. Bei den Anhörungen im Amt oder vor Gericht nimmt niemand Rücksicht auf traumatische Erfahrungen und deren Folgen. „Wer von sich aus nichts erzählt, der wird mit seinem Antrag auf Asyl nicht durchkommen“, so die Erfahrung der Fachleute. Insofern wäre es sinnvoll, dass Ehrenamtliche, die es sich zutrauen (!), irgendwann auch die Lebens- und Fluchtgeschichten der Asylbewerber erfragen und aufschreiben. Darüber zu reden fällt einem Flüchtling vor einem vertrauten Menschen gewiss leichter als später in einer angespannten Gerichtssituation vor einem völlig Fremden. Bei diesem Punkt allerdings ist Fingerspitzengefühl ratsam. Nicht jeder Ehrenamtliche kann und will sich auf diese zum Teil sehr belastenden Situationen einlassen.



Ratschlag Nummer 11:

Fakten gegen Vorurteile

Besorgen Sie sich über proAsyl die kleine Broschüre "Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile". Oder laden Sie sie aus Internet herunter => KLICK


Ratschlag Nummer 12:
 
Finden Sie Ihre Rolle gegenüber den Behörden

Es nützt dem Flüchtling nichts, wenn Sie mit ihm zum Amt gehen und dort die Nerven verlieren.


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Praktische Informationen:


Ihr Versicherungsschutz => KLICK
Bitte melden Sie sich bei der Verwaltung als Flüchtlingshelfer/in an, dann sind Sie automatisch über die Stadt versichert. Formlose Mail genügt:
Mail: Katharina.Thomas@Baden-Baden.de 


Wichtig: Wenn Sie mit Kindern arbeiten wollen, benötigen Sie dafür unbedingt ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Bitte melden Sie sich an, dann können Sie das Zeugnis unkompliziert und kostenlos beantragen.
Mail: Katharina.Thomas@Baden-Baden.de
 
Wie und wo Sie helfen können => KLICK

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Handbuch des baden-württembergischen Staatsministeriums für Flüchtlingshelfer => KLICK  

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- wird laufend ergänzt -